| Robert Huff |
Drei Jahre lang hatte ich es in Cheste nie durch die erste Kurve
hindurch geschafft. Als ich am letzten Wochenende die erste Ecke
überstanden hatte, hätte ich fast vergessen, die zweite
Kurve anzubremsen – weil ich ganz vergessen hatte, dass es auf
dieser Strecke überhaupt eine zweite Ecke gibt.
Mein
Start zum ersten Rennen war super. Die Seat-Fahrer in der ersten
Reihe waren irgendwie eingedöst. Ich war nach dem Start schon
vor ihnen – und dachte im Auto schon: „Ich schaffe es tatsächlich
als Führender in die erste Kurve“, was ich mir ja vorher
vorgenommen hatte. Aber dann fielen alle drei Seat in der Bremszone
wieder über mich her, ich war doch nur Vierter.
Danach
sagte ich mir: So, nun muss ich an Yvan Muller vorbei – und zwar
schnell. Denn wenn der einmal seinen Rhythmus gefunden hat, kommt man
nie mehr an dem vorbei.
Irgendwie habe ich es dann geschafft,
Muller zu keschen. Ich weiss gar nicht mehr, wie und wo. Aber das ist
ja auch wurscht. Jordi Gené und Gabriele Tarquini machten vor
mir jeweils Fehler und mir damit die Tür auf.
Am Ende
nahm das Rennen fast schon eine biblische Entwicklung: Die Seat
teilten sich – und hindurch kam ein Chevrolet.
Mir war von
Anfang an klar: Wenn ich einmal vorn liege, dann wird uns keiner mehr
einholen. Das hatte sich schon bei unseren Dauerläufen in den
Freien Trainings angedeutet. Unser Lacetti war vor allem über
die Distanz sehr gut – was auch daran lag, dass ich ohne
Platzierungsgewicht fuhr.
Auf einen Sieg im ersten Rennen
hatte ich schon lange hingearbeitet. Dass ich dann im zweiten Lauf
von Startplatz 8 hinter meinem Teamkollegen Alain Menu Zweiter werden
konnte, war natürlich phänomenal.
Aber als ich auf
dem Weg auf die Startaufstellung sah, wie die Sonne sich langsam
hinter den Wolken verkroch, war mir schon klar, dass ich eine gute
Chance haben würde. Denn unser Auto liegt bei gleissendem
Sonnenschein nicht so gut wie unter bedecktem Himmel. Da stellt sich
schnell mal ein Unter- oder Übersteuern ein.
Wenn die
Sonne den Asphalt zu sehr aufheizt, haben die BMW einen Vorteil. Denn
deren Hecktriebler nehmen die Reifen anders ran als wir mit unserem
Frontantrieb. Bei einem Hecktriebler müssen die Hinterräder
die Antriebs- und die Vorderräder die Lenkkräfte aufnehmen.
Bei hohen Asphalttemperaturen haben sie wegen des günstigeren
Reifenverschleiss’ einen Vorteil. Der fällt bedeutend geringer
aus, wenn es bewölkt ist.
Deswegen konnte ich nicht nur
die Seat überholen – sondern auch Jörg Müller und
Andy Priaulx in ihren BMW. Aber als ich an Priaulx vorbei war, war
Alain Menu an der Spitze schon zu weit enteilt.
In der WM ist
für mich jetzt wieder alles drin. Ich wollte in Valencia meine
persönliche WM-Saison beginnen. Das ist mir mit 18 Punkten
bestens gelungen. Ich bin jetzt Tabellen-Siebter. Zwar reise ich mich
viel Platzierungsgewicht nach Pau. Aber trotzdem können wir auf
dem Resultat von Valencia bestens aufbauen. Ab jetzt zählt jeder
Punkt. Wir müssen danach trachten, bei jeder Veranstaltung, an
jedem Wochenende, möglichst viele Punkte mitzunehmen – und
unsere Herangehensweise an die Rennwochenenden entsprechend am
mitgeführten Gewicht und einer möglichst hohen
Punkteausbeute ausrichten. Die WM kriegt jetzt auch eine
mathematische Komponente.
Rob Huff (29) ist
Chevrolet-Werksfahrer in der Tourenwagen-WM. Der Brite wurde über
den Gesamtsieg des Britischen Seat León-Cup zum
Seat-Werksfahrer in der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft. Als das
Seat-BTCC-Werksteam von Ray Mallock zum Chevrolet-Werkspartner in der
Tourenwagen-WM wurde, integrierte die Mallock-Mannschaft Huff mit ins
neue Projekt. Huff wohnt in Newmarket – und reist zu allen Rennen
mit einer grossen Familien- und Kumpel-Entourage an, die von Vater
Peter, einem selbstständigen Immobilien-Sachverständigen,
angeführt wird.
