Robert Huff
Robert Huff © WTCC
Kolumne - Rob Huff
Kurven und Wetter
Von Rob Huff
27.05.2008 11:10:06
Rob Huff war der erfolgreichste Fahrer beim letzten Wochenende der WM in Cheste. Der Brite blickt in seinem neuen Blog hinter die Kulissen seiner Triumphtour.

 

Drei Jahre lang hatte ich es in Cheste nie durch die erste Kurve hindurch geschafft. Als ich am letzten Wochenende die erste Ecke überstanden hatte, hätte ich fast vergessen, die zweite Kurve anzubremsen – weil ich ganz vergessen hatte, dass es auf dieser Strecke überhaupt eine zweite Ecke gibt.

Mein Start zum ersten Rennen war super. Die Seat-Fahrer in der ersten Reihe waren irgendwie eingedöst. Ich war nach dem Start schon vor ihnen – und dachte im Auto schon: „Ich schaffe es tatsächlich als Führender in die erste Kurve“, was ich mir ja vorher vorgenommen hatte. Aber dann fielen alle drei Seat in der Bremszone wieder über mich her, ich war doch nur Vierter.

Danach sagte ich mir: So, nun muss ich an Yvan Muller vorbei – und zwar schnell. Denn wenn der einmal seinen Rhythmus gefunden hat, kommt man nie mehr an dem vorbei.

Irgendwie habe ich es dann geschafft, Muller zu keschen. Ich weiss gar nicht mehr, wie und wo. Aber das ist ja auch wurscht. Jordi Gené und Gabriele Tarquini machten vor mir jeweils Fehler und mir damit die Tür auf.

Am Ende nahm das Rennen fast schon eine biblische Entwicklung: Die Seat teilten sich – und hindurch kam ein Chevrolet.

Mir war von Anfang an klar: Wenn ich einmal vorn liege, dann wird uns keiner mehr einholen. Das hatte sich schon bei unseren Dauerläufen in den Freien Trainings angedeutet. Unser Lacetti war vor allem über die Distanz sehr gut – was auch daran lag, dass ich ohne Platzierungsgewicht fuhr.

Auf einen Sieg im ersten Rennen hatte ich schon lange hingearbeitet. Dass ich dann im zweiten Lauf von Startplatz 8 hinter meinem Teamkollegen Alain Menu Zweiter werden konnte, war natürlich phänomenal.

Aber als ich auf dem Weg auf die Startaufstellung sah, wie die Sonne sich langsam hinter den Wolken verkroch, war mir schon klar, dass ich eine gute Chance haben würde. Denn unser Auto liegt bei gleissendem Sonnenschein nicht so gut wie unter bedecktem Himmel. Da stellt sich schnell mal ein Unter- oder Übersteuern ein.

Wenn die Sonne den Asphalt zu sehr aufheizt, haben die BMW einen Vorteil. Denn deren Hecktriebler nehmen die Reifen anders ran als wir mit unserem Frontantrieb. Bei einem Hecktriebler müssen die Hinterräder die Antriebs- und die Vorderräder die Lenkkräfte aufnehmen. Bei hohen Asphalttemperaturen haben sie wegen des günstigeren Reifenverschleiss’ einen Vorteil. Der fällt bedeutend geringer aus, wenn es bewölkt ist.

Deswegen konnte ich nicht nur die Seat überholen – sondern auch Jörg Müller und Andy Priaulx in ihren BMW. Aber als ich an Priaulx vorbei war, war Alain Menu an der Spitze schon zu weit enteilt.

In der WM ist für mich jetzt wieder alles drin. Ich wollte in Valencia meine persönliche WM-Saison beginnen. Das ist mir mit 18 Punkten bestens gelungen. Ich bin jetzt Tabellen-Siebter. Zwar reise ich mich viel Platzierungsgewicht nach Pau. Aber trotzdem können wir auf dem Resultat von Valencia bestens aufbauen. Ab jetzt zählt jeder Punkt. Wir müssen danach trachten, bei jeder Veranstaltung, an jedem Wochenende, möglichst viele Punkte mitzunehmen – und unsere Herangehensweise an die Rennwochenenden entsprechend am mitgeführten Gewicht und einer möglichst hohen Punkteausbeute ausrichten. Die WM kriegt jetzt auch eine mathematische Komponente.

Rob Huff (29) ist Chevrolet-Werksfahrer in der Tourenwagen-WM. Der Brite wurde über den Gesamtsieg des Britischen Seat León-Cup zum Seat-Werksfahrer in der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft. Als das Seat-BTCC-Werksteam von Ray Mallock zum Chevrolet-Werkspartner in der Tourenwagen-WM wurde, integrierte die Mallock-Mannschaft Huff mit ins neue Projekt. Huff wohnt in Newmarket – und reist zu allen Rennen mit einer grossen Familien- und Kumpel-Entourage an, die von Vater Peter, einem selbstständigen Immobilien-Sachverständigen, angeführt wird.




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