Obwohl vierfacher FIA Autocross Europameister ist der Deutsche Helmut Wild vielen Rennsport Fans unbekannt. Nun wechselt er in die Rallycross EM.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass ein
Autocross-Europameister das Lager wechselt und zu den Rallycrossern
konvertiert. Adolf Heinz war Anfang der 1980er der Erste; der
zweifache AX-Euro-Champion (1981 und 1982) aus Hessen wurde auch in
der deutschen Rallycross-Szene zu einer festen Größe.
Anfänglich mit einem Porsche 911 und später mit einem Audi
quattro ausgerüstet, gewann Heinz mehrere deutsche Meistertitel.
Der Nächste war der Bayer und dreifache FIA-Titelgewinner Rolf
Volland (1990, 1993 und 1994), der nach seinem Wechsel bereits 10
Deutsche Rallycross-Meisterschaften für sich entscheiden konnte.
Seit einiger Zeit kann man auch den Russen Ayrat Shaymiev in der
Rallycross-EM erleben. Der Sohn des Präsidenten der autonomen
Russischen Föderationsrepublik Tatarstan, Mintimer
Scharipowitsch Schaimijew, kaufte sich nach dem Gewinn von drei
Autocross-EM-Titeln (2002, 2004 und 2005) einen Ford Focus ST ERC des
Schweden Michael Jernberg, hat damit im Rallycross aber bislang noch
keine Bäume ausreißen können.
Der Schwabe
Helmut Wild, Autocross-Europameister der Jahre 1997, 1998, 2001 und
2006, liebäugelte spätestens seit Ende 2006 mit einem
Wechsel in die Rallycross-EM, musste dafür aber seinen
allradgetriebenen VW Polo vollständig umbauen. «Was im
Autocross Top-Material ist, kann man fürs Rallycross komplett
vergessen. Wir haben ziemlich lange an dem Auto gearbeitet und hoffen
nun, dass sich der Umstieg auch lohnt. Im Herbst 2006 war ich beim
EM-Finale in Buxtehude dabei, um dort festzustellen, dass ich mit
meinem Autocross-Polo in der Rallycross-EM immer nur unter ferner
liefen rangieren würde. Also haben wir Nägel mit Köpfen
gemacht, was allerdings mehr als ein Jahr in Anspruch genommen
hat.»
«Mein Auto entspricht jetzt weitgehend einem
S2000-Polo. Ziemlich viel Aufwand erforderte beispielsweise der
Karosseriesumbau, damit ich statt der bisherigen 15er- zukünftig
17er-Räder unter den Polo montieren kann. Das Fahrwerk wurde
komplett geändert, das Getriebe wurde anders übersetzt und
auch die Sperren haben wir modifiziert. Eine neue Lenkung und ein
neuer Sitz waren ebenfalls nötig. Der 1,8-l-Motor von Hohenester
wurde überholt, bekam durch diverse Modifikationen und Anpassung
der Elektronik eine andere Charakteristik und natürlich ein
deutliches Plus an Leistung, was für Rallycross halt zwingend
erforderlich ist. Man kann sagen, dass wir eigentlich ein ganz neues
Fahrzeug gebaut haben. Als wir den Polo endlich fertig hatten, sind
wir zum Testen auf die EM-Strecke von Sosnová in Tschechien
gefahren. Dort gab es keinerlei Probleme, alles funktionierte
tadellos und meine Eindrücke vom Auto waren absolut
zufriedenstellend. Jetzt geht es erst einmal zu den EM-Läufen
nach Norwegen und Schweden, wo sich dann zeigen muss, ob unsere
langwierigen Umbaumaßnahmen Früchte tragen werden»,
sagte der selbstständige Karosseriebauer und Kfz-Meister, bevor
er sich von seiner Heimatstadt Tübingen aus auf die Reise nach
Skandinavien machte. Wilds Terminplan umfasst die restlichen sieben
EM-Rennen der laufenden Saison, während er nächstes Jahr an
sämtlichen FIA-Wertungsläufen teilnehmen will.