Im Jahr 2006 konnte Helmut Wild zum vierten Mal den EM-Titel der Autocrosser nach Tübingen holen.
Im Jahr 2006 konnte Helmut Wild zum vierten Mal den EM-Titel der Autocrosser nach Tübingen holen. © Wild
Rallycross-EM
Wild-Wechsel
Von Eddi Laumanns
25.06.2008 20:07:39
Obwohl vierfacher FIA Autocross Europameister ist der Deutsche Helmut Wild vielen Rennsport Fans unbekannt. Nun wechselt er in die Rallycross EM.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ein Autocross-Europameister das Lager wechselt und zu den Rallycrossern konvertiert. Adolf Heinz war Anfang der 1980er der Erste; der zweifache AX-Euro-Champion (1981 und 1982) aus Hessen wurde auch in der deutschen Rallycross-Szene zu einer festen Größe. Anfänglich mit einem Porsche 911 und später mit einem Audi quattro ausgerüstet, gewann Heinz mehrere deutsche Meistertitel. Der Nächste war der Bayer und dreifache FIA-Titelgewinner Rolf Volland (1990, 1993 und 1994), der nach seinem Wechsel bereits 10 Deutsche Rallycross-Meisterschaften für sich entscheiden konnte. Seit einiger Zeit kann man auch den Russen Ayrat Shaymiev in der Rallycross-EM erleben. Der Sohn des Präsidenten der autonomen Russischen Föderationsrepublik Tatarstan, Mintimer Scharipowitsch Schaimijew, kaufte sich nach dem Gewinn von drei Autocross-EM-Titeln (2002, 2004 und 2005) einen Ford Focus ST ERC des Schweden Michael Jernberg, hat damit im Rallycross aber bislang noch keine Bäume ausreißen können.

Der Schwabe Helmut Wild, Autocross-Europameister der Jahre 1997, 1998, 2001 und 2006, liebäugelte spätestens seit Ende 2006 mit einem Wechsel in die Rallycross-EM, musste dafür aber seinen allradgetriebenen VW Polo vollständig umbauen. «Was im Autocross Top-Material ist, kann man fürs Rallycross komplett vergessen. Wir haben ziemlich lange an dem Auto gearbeitet und hoffen nun, dass sich der Umstieg auch lohnt. Im Herbst 2006 war ich beim EM-Finale in Buxtehude dabei, um dort festzustellen, dass ich mit meinem Autocross-Polo in der Rallycross-EM immer nur unter ferner liefen rangieren würde. Also haben wir Nägel mit Köpfen gemacht, was allerdings mehr als ein Jahr in Anspruch genommen hat.»

«Mein Auto entspricht jetzt weitgehend einem S2000-Polo. Ziemlich viel Aufwand erforderte beispielsweise der Karosseriesumbau, damit ich statt der bisherigen 15er- zukünftig 17er-Räder unter den Polo montieren kann. Das Fahrwerk wurde komplett geändert, das Getriebe wurde anders übersetzt und auch die Sperren haben wir modifiziert. Eine neue Lenkung und ein neuer Sitz waren ebenfalls nötig. Der 1,8-l-Motor von Hohenester wurde überholt, bekam durch diverse Modifikationen und Anpassung der Elektronik eine andere Charakteristik und natürlich ein deutliches Plus an Leistung, was für Rallycross halt zwingend erforderlich ist. Man kann sagen, dass wir eigentlich ein ganz neues Fahrzeug gebaut haben. Als wir den Polo endlich fertig hatten, sind wir zum Testen auf die EM-Strecke von Sosnová in Tschechien gefahren. Dort gab es keinerlei Probleme, alles funktionierte tadellos und meine Eindrücke vom Auto waren absolut zufriedenstellend. Jetzt geht es erst einmal zu den EM-Läufen nach Norwegen und Schweden, wo sich dann zeigen muss, ob unsere langwierigen Umbaumaßnahmen Früchte tragen werden», sagte der selbstständige Karosseriebauer und Kfz-Meister, bevor er sich von seiner Heimatstadt Tübingen aus auf die Reise nach Skandinavien machte. Wilds Terminplan umfasst die restlichen sieben EM-Rennen der laufenden Saison, während er nächstes Jahr an sämtlichen FIA-Wertungsläufen teilnehmen will.




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Der neue VW Polo Mk4 ERC mit Allradantrieb und weit über 500 PS starkem 1,8-l-Turbomotor.
Der neue VW Polo Mk4 ERC mit Allradantrieb und weit über 500 PS starkem 1,8-l-Turbomotor. © Wild

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