Pierre Kaffer
Pierre Kaffer © PanImages
Kolumne – Pierre Kaffer
Le-Mans-Nachlese
28.06.2008 23:26:27
Die 24 Stunden von Le Mans sind schon ein ganz besonderes Rennen. Deshalb freue ich mich tierisch, dass unser Farnbacher Ferrari dort auf dem Podium gelandet ist.

Wenn ihr euch die Entry-List bei den GT2 anseht, kann man schon erkennen, warum wir uns über das Podium so gefreut haben. Es waren so viele Profis auf den Autos unserer Gegner unterwegs, unglaublich. Fast alle Ferrari und Porsche waren mit mindestens zwei, manchmal sogar drei Profis besetzt. Deshalb hatten wir uns vorgenommen, einfach unser Tempo zu fahren und abzuwarten.

Im Training fuhr ich anfangs nur wenige Runden. Wichtig war, dass Lars Erik und mein Namensvetter Ehret viele Kilometer auf der Strecke absolvieren konnten. Die kennen zwar Le Mans und standen hier auch schon auf dem Treppchen, aber immer mit einem Porsche und Porsche und Ferrari ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Aber es war die richtige Entscheidung, denn die beiden sind später im Rennen super Zeiten gefahren. Respekt, Jungs!

Am zweiten Trainingstag wollte ich dann auch auf Zeitenjagd gehen. Nicht, dass  es für ein 24 Stunden Rennen so wichtig wäre, aber mehr als fünf Sekunden Rückstand hinter den Besten sieht dann doch etwas blöd aus. So bin ich am Donnerstag dann raus, doch noch vor der Dunlop-Schikane schwenkten die Posten rote Flaggen. Also musste ich bis zum Abschlusstraining warten. Dort wäre ich sicher auch unter vier Minuten geblieben, doch in meinen beiden besten Runden hatte ich genau dort Verkehr, wo du ihn in Le Mans am wenigsten gebrauchen kannst, nämlich in den ultraschnellen Porsche-Kurven. Shit – aber egal. 4.01.4min und der fünfte Startplatz war unter diesen Umständen ok, was zählt, ist das Rennen.

Gesagt, getan. Im Rennen hatten wir kaum Probleme, die Farnbacher-Jungs haben das Auto super hingestellt. Zwar sind die favorisierten Teams anfangs etwas davon gefahren, aber wir waren nie weit weg. Irgendwann am Abend haben wir den linken Außenspiegel verloren. Ohne den ist es unmöglich, in Le Mans zu fahren, sonst hättest du Ruck-Zuck eine Kollision mit einem der sauschnellen Prototypen. Der Einfachheit halber haben wir uns schnell eine Tür bei Tracy Krohn geliehen, der nach einem Unfall schon eingepackt hatte. Der Wechsel der kompletten Tür geht wesentlich schneller, als einen neuen Spiegel anzuschrauben.  Die grell grüne Tür an unserem Auto war zwar nicht unbedingt schön, aber so wir waren oft im Fernsehen… ;o)

In der Nacht (mittlerweile lagen wir locker auf Rang vier) hat sich dann der Unterboden an unserem Ferrari gelockert, da haben wir durch die Reparatur etwas Zeit verloren. Die Nacht und besonders der Morgen waren sehr schwierig, immer mal wieder kam Regen. Manchmal war es in einer Schikane auf der Hunaudieres nass und wenn ich das nächste Mal vorbei kam, war es wieder trocken, dafür dann in der zweiten Schikane rutschig – unglaubliche Bedingungen. Da musste ich sofort an die geliebte Nordschleife denken ;o)

Als der Virgo-Ferrari einen Motorschaden erlitt, waren wir dann Dritter. Des einen Pech, des andere Glück – auch so was gibt’s im Motorsport. Gegen Mittag dann hatte Pierre Ehret leider noch einen „big moment“, als sich vor ihm ein LMP2 drehte, der ihn dann an der Tür traf. Die Tür, mittlerweile wieder unsere eigene, hatte danach ein großes Loch, was aber nicht so schlimm war, wir konnten auf dem glücklichen dritten Rang ins Ziel fahren.

Es war echt ein geiles Rennen. Wir hatten ein Top-Auto, Dunlop hat uns auch super Reifen gegeben und die Fahrer waren auch in einer tollen Form. Ich bin meist Doppelstints, in der Nacht sogar Dreifach-Stints gefahren und war rund zehn Stunden im Auto. So sind wir am Ende beim fürs Team wichtigsten Rennen des Jahres, wesentlich weiter vorn gelandet, als man hätte rechnen konnte. Vielen Dank dafür. Es hat riesig viel Spaß gemacht.

Und drei Wochen nach meinem zweiten Platz der 24 Stunden Nordschleifen, stand ich beim nächsten 24 Stunden Rennen wieder auf dem Treppchen. Ist doch geil, oder?
Bei demnächst!

Euer Pierre




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