Christian Hefenbrock
Christian Hefenbrock © Hänssgen
Kolumne - Christian Hefenbrock
Rallye durch Schweden
Von Christian Hefenbrock
08.07.2008 16:21:11
Erst zur Zwei Minuten Phase meines ersten Laufes bin ich Avesta eingetroffen. Im Auto habe ich mich schon um-, mir Helm, Handschuhe und Rennbrille angezogen.

Die Einlasskontrolle wollte mich nicht reinlassen ohne Karte, so dass ich gezwungen war, über den Zaun zu springen, um zu dem von Edward Kenneth geliehenen Motorrad zu rennen, aufzuspringen und meinen ersten Lauf zu fahren.

Grund für diese Verspätung zu dem Match in der schwedischen Elite-Liga war die späte Nominierung in das Team, eigentlich sollte ich erst im nächsten Match eingesetzt werden, doch da ein Teamkollege krank wurde, erhielt ich um 6 Uhr morgens einen Anruf, dass ich kommen müsste. Ich lag in England noch im Bett und erholte mich vom Match des Vorabends, als der Anruf kam.

Die ganze Reise stand unter keinem guten Stern, bereits in England kurz vor dem Flughafen Heathrow stand ich im Stau und musste auf dem Standstreifen nicht grad langsam weiterfahren um meinen Flug nicht zu verpassen. Nur knapp schaffte ich noch den Flieger nach Stockholm, wo ich von einem Rentnerehepaar abgeholt wurde, das mich zur Bahn bringen sollte. Mit geschätzten 72,8 km/h rasten wir dann, zu schwedischer Schlagermusik und taktvollem Kopfnicken, über die schwedischen Landstrassen, und deswegen kamen wir erst zur 2-Minuten-Phase im Stadion an. Ich hatte im Auto bereits meine Rennkluft angelegt und leider die gepflegten Sitze des nagelneuen Audi A6 Quattro mit dem englischen Sand des Rennens vom Vorabend beschmiert. Dies liess die Schunkellaune für einige Minuten schwinden. Ich wie ein Sieger einer Auto-Rallye aus dem Wagen direkt aufs Bike, das für mich bereit stand. Mein Teammanager sagte nur zu mir: «Pünktlicher geht’s nicht mehr, alles andere wäre zu spät.»

Da ich so kurzfristig meine kontinentalen Maschinen nicht nach Schweden bringen konnte, lieh mir mein Teamkollege Edward Kenneth seine Maschine. Er ist etwa 30 cm kleiner als ich, seine Maschinen kamen mir wie Mini-Speedwaymaschinen vor, auf denen ich gar nicht zurecht kam. Sportlich war das Rennen kein Erfolg. Über die Geschichte meiner Reise konnten sich jedoch am nächsten Tag viele Schweden köstlich amüsieren, denn es war in den großen Zeitungen auf der Titelseite.

Das WM-Semifinale in Terenzano war leider nicht sehr erfolgreich. Nichtsdestotrotz es war ein hartes Rennen mit zahlreichen Topfahrern (insgesamt sechs Ex-Weltmeister), bei dem ich nur drei Punkte erzielte. Ich möchte nicht nach Ausreden suchen, jedoch machte mir meine gebrochene Hand arge Probleme. Seit dem heftigen Unfall bei der EM in Herxheim fahre ich mit einer angebrochenen Hand, die in Italien bei 40 Grad im Schatten wieder anschwoll und mir nur zwei Runden Vollgas erlaubte. Nach dem Start war ich immer gut dabei, danach fehlte dann die Kraft. Die Hand wollte den Lenker einfach nicht richtig festhalten, was in einem Sturz im letzten Lauf resultierte. Ich lag an zweiter Position, als die Hand plötzlich aufging und ich zu Boden gehen musste. Nun bin ich erst mal eine Woche krank geschrieben, um die Hand auszukurieren, wenn ich die ganze Zeit weiter Rennen fahre, wird es einfach nicht besser.

Am Wochenende werde ich bei meinem Heimrennen in der Speedway-Bundesliga in Landshut jedoch wieder am Start sein und hoffe dort auf einen Heimsieg gegen die starken Gegner.


Christian Hefenbrock ist nach Egon Müller der einzige deutsche Speedwayfahrer, dem es gelang, eine Medaille bei Welt- und Europameisterschaften zu gewinnen. In der Europameisterschaft sowie bei der U21-WM holte der Liebenthaler im Jahre 2006 jeweils Bronze. Im vergangenen Jahr wurde er mit der Wild-Card beim Speedway-GP in Gelsenkirchen ausgestattet und rechtfertigte diese Nominierung mit einem Sieg im Auftaktlauf. In der Bundesliga startet er für den AC Landshut, in der englischen Liga für die Wolverhampton Wolves, in Schweden für Indianerna Kumla und in Polen für Polonia Bydgoszcz.




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Christian Hefenbrock: Sturz in Herxheim
Christian Hefenbrock: Sturz in Herxheim © Bär