McLaren-Fahrer Jenson Button siegt beim Saisonauftakt der Formel 1 vor Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) - Kimi Räikkönen (Lotus) punktet
Jenson Button (McLaren) ist der erste Formel-1-Rennsieger der neuen Saison. Der Brite setzte sich beim Großen Preis von Australien nach 58 Runden knapp gegen Sebastian Vettel (Red Bull), Lewis Hamilton (McLaren) und Mark Webber (Red Bull) durch. Dieses Quartett überquerte die Ziellinie auf dem Albert Park Circuit nach einem spannenden Rennen geschlossen innerhalb von wenigen Sekunden.
Fernando Alonso (Ferrari) betrieb mit Rang fünf etwas Schadensbegrenzung. Dahinter: Kamui Kobayashi (Sauber), Kimi Räikkönen (Lotus), Sergio Perez (Sauber), Daniel Ricciardo (Toro Rosso), Paul di Resta (Force India). Pech dagegen für Michael Schumacher (Mercedes) und Nico Hülkenberg (Force India): Beide Deutsche schieden frühzeitig aus.
Doch der Reihe nach: Schon beim Start gab es die ersten Überraschungen. Denn nicht Polesitter Lewis Hamilton (McLaren) bog als Erster in die erste Kurve, sondern Jenson Button (McLaren), der von Rang zwei gestartet war. Dahinter machten sich direkt die beiden Silberpfeile von Michael Schumacher (Mercedes) und Nico Rosberg (Mercedes) breit - Romain Grosjean (Lotus) kam schlecht weg.
Der französische Formel-1-Rückkehrer fing sich noch hinter Sebastian Vettel (Red Bull) auf Platz sechs, wurde aber schon in Runde zwei heftig von Pastor Maldonado (Williams) attackiert. Das Ergebnis: Aufhängungsbruch bei Grosjean, das frühe Aus im Albert Park. Nico Hülkenberg (Force India) stand zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon: Der Deutsche war in Runde eins ausgerollt.
Schlecht hatte der Große Preis von Australien auch für Daniel Ricciardo (Toro Rosso) und Bruno Senna (Williams) begonnen: Beide mussten nach einer frühen Rangelei in der Startphase sofort an die Box fahren und fielen bis ans Ende des Feldes zurück. An der Spitze festigte sich indes die Reihenfolge: Button führte nach zehn Runden souverän mit vier Sekunden Vorsprung vor Hamilton.
Schumacher fällt mit Technikdefekt aus
Dahinter kam es zum lange erwarteten deutsch-deutschen Duell zwischen Schumacher und Vettel - und beide fuhren nicht fehlerfrei. Erst unterlief Vettel in Kurve eins ein Fehler und er büßte an Boden ein, einige Runden später rauschte Schumacher dort geradeaus. Und plötzlich fehlte dem Routinier das Tempo, Schumacher wurde richtig langsam. Er meldete: "Ich habe den dritten Gang verloren."
Bei Ferrari ging es dagegen etwas besser voran: Fernando Alonso und Felipe Massa arbeiteten sich rasch in die Top 10 nach vorne und hielten dort gut mit, ehe Massa in Runde elf zum ersten Mal zum Reifenservice abbog. Der Brasilianer eröffnete den Reigen der Boxenstopps, während Schumacher das Rennen beenden musste. Er stellte seinen Mercedes W03 in der Boxengasse ab und stieg aus.
Gleichzeitig fiel auch Rosberg ein bisschen zurück: Alonso stoppte eine Runde später als der junge Deutsche und schnappte sich Rosberg in der Box. Derweil machte ein anderer richtig Dampf: Kimi Räikkönen (Lotus), in der Qualifikation schon in Q1 ausgeschieden, drehte nach einigen Umläufen richtig auf und lag nach 15 Runden auf Position fünf - mit den schnellsten Zeiten der Toppiloten.
Die ersten Boxenstopps stehen an
In Runde 16 kam es dann zum ersten Showdown in der Boxengasse: Button bog als Führender ab, Vettel zog nach. Eine Runde danach fuhr auch Hamilton bei McLaren vor, ordnete sich aber wieder hinter Button - und auch hinter Räikkönen - ein. Ebenfalls überraschend: Sergio Perez (Sauber), genau wie Räikkönen noch ohne Stopp, fuhr jetzt von Startplatz 22 kommend auf Position vier.
Weil auch Räikkönen in Runde 19 neue Reifen holte, fuhr Perez als einziger Pilot im Starterfeld weiter auf seinem ersten Pneusatz, war dadurch aber deutlich langsamer als seine Verfolger und wurde nach hinten durchgereicht. Der Stand der Dinge in den Top 10 nach 24 Runden: Button, Hamilton, Vettel, Alonso, Rosberg, Webber, Maldonado, Massa, Kobayashi und Räikkönen vor di Resta und Vergne.
In Runde 25 hatte dann das komplette Feld mindestens einmal gestoppt - und Button führte im Albert Park souverän mit 10,2 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Hamilton. Aber: Button klagte kurz vor Rennhälfte über Vibrationen an seinem Auto, während Hamilton eine schnellste Runde nach der anderen drehte. Der Abstand an der Spitze blieb jedoch konstant, denn Button konterte wieder.
Das Safety-Car kommt auf die Strecke
Ab dem 30. Umlauf kamen die Piloten allmählich erneut zum Reifenwechsel an die Box. Rosberg machte den Anfang, Alonso folgte wenige Runden später. Das Klassement geriet also wieder etwas durcheinander. Vor allem in Runde 36, denn McLaren absolvierte einen "Doppelstopp": Wenige Sekunden nach Button fuhr auch Hamilton bei seiner Crew vor und wurde ebenfalls frisch bereift.
Damit lag Weltmeister Vettel erstmals 2012 in Führung - und just in diesem Augenblick schickt die Rennleitung das Safety-Car auf die Strecke. Witali Petrow (Caterham) hatte seinen Rennwagen auf der Zielgeraden abgestellt, aber eben äußerst ungünstig. Vettel nutzte die Gelbphase zu seinen Gunsten und bog ab zum Service, auch Räikkönen, Webber und andere nutzten diese Taktik.
Und Vettel profitierte vom Renngeschehen: Nach seinem Stopp sortierte er sich direkt hinter Button und vor Hamilton auf dem zweiten Platz ein. Prompt fragte Button nach, wie sich Red Bull bisher im Rennen geschlagen habe. Der Kommandostand von McLaren beruhigte den Führenden: Man habe noch genug Luft, um ein paar Körnchen nachzulegen. Erst einmal war aber langsam fahren angesagt.
Neustart: Button übernimmt wieder das Kommando
Dabei kam eine neue Regel zum Einsatz: Überrundete Piloten, die zwischen den Spitzenfahrern lagen, durften das Safety-Car passieren, damit das Feld geordnet auf die Reise gehen konnte. Heikki Kovalainen (Caterham) und Timo Glock (Marussia) profitierten von dieser Maßnahme. Für Kovalainen ohne positives Ende: Der Finne fuhr noch in der gleichen Runde in die Box und stellte sein Auto ab.
Beim Neustart in Runde 42 erwies sich Button als geschickter Führender: Der Brite setzte sich gegen Vettel und Hamilton durch, die Reihenfolge ganz vorne hatte Bestand. Dahinter: Webber, Alonso, Maldonado, Perez, Rosberg, Räikkönen, Kobayashi. Knapp außerhalb der Top 10: di Resta, Vergne vor Massa, Senna, Ricciardo, Glock und Pic. 17 von 22 gestarteten Piloten waren noch im Rennen.
Kurz darauf kam es zu einem brasilianischen Duell zwischen Massa und Senna - und heftigem Lackaustausch zwischen den Landsleuten, wobei einige Teile flogen. Sowohl Massa als auch Senna mussten danach in die Box, doch nur Senna nahm das Rennen wieder auf: Ferrari unternahm zunächst den Versuch, das Massa-Auto wieder flott zu machen. Die Schäden waren umfangreich.
Die Schlussphase beginnt
Gleichzeitig entwickelte sich just zwischen den jeweils anderen Piloten von Ferrari und Williams ein anderer Zweikampf: Alonso und Maldonado stritten sich um Rang fünf, während die Top 4 um Button, Vettel, Hamilton und Webber allesamt innerhalb von 5,5 Sekunden lagen. Die Endphase des Rennens hatte begonnen, doch es tat sich nicht mehr viel: Button siegte souverän vor Vettel, Hamilton und Webber.
Auf den letzten Metern geriet aber hinter der Spitze noch einmal einiges durcheinander: Maldonado verunfallte in der Schlussrunde (!) und die Reihenfolge änderte sich noch einmal. Alonso war seinen Schatten plötzlich los, Kobayashi wurde Sechster vor Räikkönen, Perez, Ricciardo und di Resta. Knapp vorbei an den Punkten: Vergne und Rosberg, der noch aus den Top 10 herausfiel.
Maldonado wurde trotz seines heftigen Unfalls noch auf Rang 13 gewertet und lag damit vor den überrundeten Glock, Pic und Senna, der das Rennen bereits aufgegeben hatte. Marussia war damit das beste der drei "neuen" Teams, denn HRT durfte nicht starten und Caterham schrieb einen "Nuller". Am größten war die Freude in Melbourne aber bei Button und dem McLaren-Rennstall.







