Auch nach seinem Heimspiel in Brands Hatch hat Mercedes-Superstar David Coulthard keine Punkte auf dem Konto – aber er erkennt weiter Fortschritte.
Coulthard findet sich nur mühselig im DTM-Mercedes zurecht – aber das kam nicht unerwartet. Wer bislang miterleben durfte, wie wenig Ralf Schumacher im C-Klasse-Cockpit klar kam, weiss um Coulthards Probleme. Diese sind durchaus vielseitig. Starkes Übersteuern in schnellen Kurven, ein ständig nickendes Auto an der Vorderachse, vor allem aber der Start – das sind die Felder, in denen der hagere Schotte in die Hände spuckt. Am vergangenen Sonntag in Brands Hatch sah zunächst alles nach einem Traumstart aus – bis die Rennleitung die fulminante Abfahrt als Fehlstart entlarvte. Ganz offen hatte der einstige Formel 1-Vize-Weltmeister über seine neue Startstrategie gesprochen: «Ich werde das Auto erst vorspannen, wenn die dritte Ampel aufleuchtet.» Gesagt, getan, aber: «Ich glaube, die Zeit von der dritten Startampel bis zum Erlöschen war länger als sonst.» Die Kupplung wurde zu heiss, das Auto kroch nach vorne: «Lieber einen Frühstart machen, als den Motor abwürgen und von allen überholt werden. Ich habe keinen Sinn darin gesehen, vom Gas zu gehen», beschloss Coulthard, der prompt drei Plätze gut machen konnte.
Die resultierende Strafe ermöglichte ihm, in freier Fahrt unbeeinflusst von Luftverwirbelungen eines Vorausfahrenden sehr schnelle Runden zurückzulegen. Für Coulthard ein kleines Erfolgserlebnis. Besonders bei der Wahl seiner Ideallinie sah er sich in seinen neuesten Erkenntnissen bestätigt. Schon im Freien Training am Samstagmorgen war er Markenkollege Gary Paffett in Clearways gefolgt, «und es ist unglaublich, wie früh er einlenkt und welch enge Linie er dabei fährt. Als ich das selbst ausprobiert hatte, war ich sofort eine Zehntelsekunde schneller.» Auch im Rennen das gleiche Phänomen: «Als ich hinter einem Audi herfuhr, hat der noch früher eingelenkt. Ich muss mich völlig umstellen. Ich habe hier zu Beginn die gute alte Formel-Linie gefahren» Das letzte mal, dass Coulthard in Brands Hatch am Start war, liegt fast 20 Jahre zurück: Das war 1991 bei einem Formel-3-Rennen.
Im Rennen kam Coulthard viel besser im schwierigen ersten Sektor des 1,9 Kilometer langen Kurses zurecht (Fünfter), «obwohl ich im Qualifying dort langsam war.» Im zweiten Sektor zählte er ohnehin zu den Schnellsten (Zweitbester), «aber der dritte Sektor bot für mich wegen krassem Übersteuern den grössten Horror (Elftschnellster).» Letztlich lieferte Coulthard die siebtschnellste Rennrunde ab. Rang zwölf, wie schon in Hockenheim und in Zandvoort, war nicht Coulthards bestes Ergebnis. Aber Brands Hatch war vermutlich das Rennen, das ihn am meisten zufriedengestellt haben dürfte.
Dass er im kommenden Jahr wieder für Mercedes in der DTM an den Start gehen wird, davon darf ausgegangen werden. Irgendwie hatte sich Coulthard am vergangenen Wochenende etwas verplappert: «Ich habe hier viel gelernt, was ich im kommenden Jahr gut verwenden kann. Also, ich meine, wenn ich wieder für Mercedes fahren sollte. Noch habe ich nicht mit Norbert Haug gesprochen. Aber ich gehe davon aus, dass das möglich ist, und bisher hat er nicht gesagt, dass das absolut unmöglich ist. Ich bin mir sicher, wir werden uns einigen.»
Autor: Gregor Messer







