Beobachtern der letzten WM-Veranstaltung in Spa ist aufgefallen, dass es innerhalb des Matech-Teams nicht rund läuft. Der vollzogene Fahrerwechsel innerhalb der Mannschaft von Teamchef Martin Bartek ist, wie das Schweizer Fachblatt „Automobilrevue“ in seiner neuesten Ausgabe am Mittwoch berichtet, auf Druck von Grosjean erfolgt und wurde nur für die Öffentlichkeit so dargestellt, dass man sich durch die Splittung größere Titelchancen erhoffte. Nach Meinung von Grosjean sei dessen bisheriger Partner Thomas Mutsch zu langsam gewesen. Diese gewagte Einschätzung ist allein schon wegen Platz zwei in beiden WM-Wertungen nicht nachvollziehbar.
Aber auch mit dem neu zusammen gestellten Duo Grosjean/Jani gab es offenbar Probleme. Laut der AR hat Grosjean in Spa im Quali-Rennen ausgangs der berüchtigten Eau-Rouge-Passage einen Dreher verschwiegen und stattdessen über Funk von einem unfahrbaren, ja sogar gefährlich zu fahrenden Auto gesprochen. Als die Probleme (nach Meinung des Teams mit den Reifen) immer größer wurden, beorderte man Grosjean drei Runden vor Schluss an die Box.
Der in Genf lebende Grosjean fuhr anschließend mit unvermindertem Tempo weiter, flog prompt in der ultraschnellen Blanchimont-Kurve von der Strecke und landete mit dem Matech-Ford frontal in einem Reifenstapel. Teamchef Martin Bartek bestätigte MSa den in der AR niedergeschriebenen Sachverhalt, die ursprünglich angenommene Schadenshöhe von 80.000 Euro hätte sich allerdings nach genauerer Begutachtung auf 63.000 Euro reduziert. Einen technischen Defekt, der von Grosjean ins Spiel gebracht wurde, wies das Team im Übrigen entschieden zurück. Man habe das Auto bis in die frühen Morgenstunden wieder aufgebaut und dabei keinen „Defektteufel“ gefunden. Auch die Zeiten, die Neel Jani im Hauptrennen bei seinem WM-Debüt gefahren sei, hätten allemal dazu gereicht, in die Punkteränge zu fahren.
Neel Jani · Spa · Thomas Mutsch · Martin Bartek · Ford GT · GT1-WM
Aber auch dazu kam es nicht und das lag unter anderem auch an Grosjean. Die Probleme beim Fahrerwechsel (als der Hebel der Sitzverstellung unter mysteriösen Umständen brach) sind eine Sache, dass Grosjean aber Jani erst nach eindringlicher Bitte einiger Teammitglieder beim Anschnallen der Sicherheitsgurte half, eine viel schlimmere und schwerwiegendere Tatsache. So kam es offenbar zum Bruch innerhalb des Teams, obwohl der Wunsch von Grosjean, nicht beim Heimspiel des Teams am Nürburgring im Ford GT, sondern am gleichen Wochenende (28./29. August) in Spa für DAMS in der GP2 zu fahren, respektiert wurde.
„Wir akzeptieren die Entscheidung von Romain, in der GP2 antreten zu wollen. Andererseits geht es bei unserem Projekt um den WM-Titel, den ich auch im Sinne des Teams nicht aufs Spiel setzen möchte“, sagte Bartek der AR und bestätigte dabei, dass er in der vergangenen Woche bei einem Performance-Test in Magny-Cours Antonio Garcia und Nicolas Prost eine Chance gegeben hätte, sich für ein Cockpit neben Jani zu empfehlen.
Laut Bartek habe sich dabei der Franzose gegen den Spanier eindrucksvoll durchgesetzt. Prost, der sich in der LMS-Series ein Cockpit mit Jani im Rebellion-Team teilt, soll nun mit dem 26-jährigen Berner den zweiten Matech-Ford neben Thomas Mutsch/Richard Westbrook pilotieren. Der Brite fuhr in Magny-Cours im Übrigen einen Vergleichstest mit beiden Ford GT unter gleichen Bedingungen. Die beste Rundenzeit differierte lediglich um zwei Zehntelsekunden. Für Bartek ein weiterer Beweis, dass seine beiden GT-Autos auf ein und demselben Stand sind.
Für den 43-jährigen Schweizer Teamchef ist das Verhalten von Grosjean „eine große menschliche Enttäuschung“, die sogar noch ein juristisches Nachspiel haben könnte. Denn Christian Grosjean, der Vater von Romain, zeigte sich wegen der Pressemitteilung von Matech sehr verwundert. Der MSa sagte er: „Die war so mit uns nicht abgesprochen. Wir gehen davon aus, dass der Vertrag erfüllt und Romain bei den restlichen vier Veranstaltungen für das Matech-Team fahren wird.“
Sollte Grosjean tatsächlich ins Team zurückkehren, würden seine WM-Chancen (momentan liegt der 24-Jährige auf Platz drei) wegen des freiwilligen (!) Nürburgring-Verzichtes auf ein Minimum sinken. Das Team Matech Competition hat zudem wegen dieser unerfreulichen Entwicklung im WM-Zweiten Thomas Mutsch nur noch ein heißes Eisen in der Fahrerwertung im Feuer. Zuvor hatte sich Bartek bereits von den Schweizer Mädels Cyndie Allemann und Natacha Gachnang getrennt, und sich mit den schnelleren Piloten Jani und Westbrook verstärkt. Nach Meinung von Bartek hat man nun eine der stärksten Fahrerpaarungen in der FIA-GT1-WM. Die könnte sogar dafür sorgen, dass man den Titel in der Teamwertung gewinnt.














