Nach dem ersten Teil des Interviews mit VW-Motorsportdirektor Kris Nissen (50) lesen Sie hier in der Fortsetzung, was er über die Konzernstrategie, den positiven Wandel der Rallye-WM und einen möglichen WM-Einstieg von Volkswagen sagt.
Arbeit VW schon an einem 1,6-Liter-Turbo-Renntriebwerk, die ja ab 2011 in der Rallye-WM eingesetzt werden?
Solch eine Motorentwicklung ist keine Sache einer Marke, sondern findet abgestimmt im Konzern statt. Deshalb lassen sie mich das so beantworten: Wenn wir in eine Serie offiziell einsteigen, dann sind wir darauf auch vorbereitet. Unsere Zielsetzung ist es, so schnell wie möglich unter die ersten drei zu fahren. Der nächste Schritt wäre dann, aus eigener Kraft siegfähig zu sein.
Im Frühjahr trafen sich die Sportchefs der Konzernmarken mit Dr. Franz-Josef Paefgen. Sind dabei die künftigen Betätigungsfelder festgelegt worden?
Das ist eine sehr interne Frage. Dazu so viel: Es gibt eine Gesamtstrategie, aber noch keinen Beschluss dazu, wie sie im Detail umgesetzt wird. Deshalb kann dazu auch noch nichts in die Öffentlichkeit. Sie dürfen aber sicher sein, ebenso wie die Konzernleitung genau weiss, was sie in punkto Autos bauen und verkaufen oder neuen Märkten will, weiss sie auch, was sie im Motorsport will. Nun muss dazu das Feintuning festgelegt werden.
VW und Skoda sind beide im Rallyesport aktiv. Konzernmarken sollen jedoch nicht gegeneinander antreten. Wie werden die beiden Marken künftig positioniert?
Im Moment macht Skoda einen sehr guten Job. Mit dem Fabia Super 2000 haben sie ein tolles Auto und gewinnen viele Rallyes, vor allem in der Interkontinentalen Rallye Challenge. VW macht bei Marathonrallyes wie der Dakar ebenfalls einen sehr guten Job. Im Rallyesport kann man wie auch auf der Rundstrecke ganz gut nebeneinander agieren – nur eben nicht gegeneinander. Wenn eine Entscheidung gefällt wird, dass VW in Zukunft mehr Rallye macht, wird man mit Sicherheit eine Lösung finden, die für beide Marken gut und richtig ist.
Sie kalkulieren die Entwicklungszeit eines neuen Rennautos auf 18 Monate. Würde das für einen WM-Einstieg 2012 reichen?
Wie beim Bau eines Hauses lässt sich am Zeitplan nur wenig ändern. Es beginnt mit der Konstruktions- und Entwicklungsphase für den Antriebstrang, Chassis, Motor und so weiter. Wie lange man für die Erprobung und Tests braucht hängt auch davon ab, wie gut der erste Schuss ist. Dies alles benötigt mindestens 18 Monate, eine Entscheidung vorrausgesetzt. Ich sehe nicht wie man diese Ablauf kürzen kann. Nun haben wir Sommer 2010. Demnach könnte eine Teilnahme an der Rallye-WM eher 2013 stattfinden, das wäre realistisch.
Wie realistisch?
Was wollen sie dazu hören? Wir wissen genau, wie lange wir für die Entwicklung einzelner Komponenten brauchen. Das Wichtigste ist, dass man ein konkurrenzfähiges und zuverlässiges Auto hat. Ich bezweifle, dass wenn man, egal wer, das Gebiet vollständig wechselt, von Anfang an um den Sieg mitfahren kann. Man muss sich also auch die Zeit nehmen und die Chance haben, die eine oder andere Schleife zu drehen, oder den einen oder anderen zusätzlichen Test zu machen. Ich sehe es als sehr unrealistisch, egal für welchen Hersteller, so etwas in weniger als zwei Jahren zu bewerkstelligen, egal ob wir von einem World Rally Car, DTM-Auto oder Sportwagen sprechen. Es ist natürlich etwas anderes, wenn man wie Citroën, Ford oder auch Prodrive tief in der spezifischen Materie drin ist und sehr viele Komponenten nutzen kann. Mit Sicherheit würden aber auch die etwas länger brauchen, ein konkurrenzfähiges Dakar-Auto hinzustellen. Was nicht heissen soll, dass sie dies nicht können.
Wie gross sind die Chancen VW 2013 in der Rallye-WM zu sehen?
Ich weiss nicht, wie man eine Chance berechnet. Eigentlich reichen 10 Prozent – und wenn man trifft, dann trifft man. Die Bekanntgabe von Mini oder das grosse Interesse von Toyota sind sicher förderlich. Wichtiger sind jedoch die Massnahmen von FIA-Präsident Jean Todt und der Arbeitsgruppe, die er gebildet hat.
Die dann wären?
Planungssicherheit ist die Stärke einer FIA-Meisterschaft. Nach unserem Kenntnisstand steht das technische Reglement für die nächsten Jahre. Ebenso wichtig: in 2012, 13, 14 werden wir eine ganz andere Rallyeszene haben als heute, angefangen von anderen, verschiedenen Formaten. Das beinhaltet auch eine bessere Einbindung von Sponsoren und ein höheres Medieninteresse auch vom TV. Jede einzelne WM-Rallye könnte zum Event werden, den die Hersteller als Plattform nutzen. Warum sollten sich für so eine weltweite Bühne nicht drei, vier oder fünf Hersteller finden?
Und Volkswagen wäre einer davon?
Das ist nicht entschieden. Aber nochmals: Der Rallyesport passt zu VW. Dazu habe ich heute keine andere Meinung als vor sechs Monaten. Von der Dakar, insbesondere in Südamerika, haben wir einen hohen Nutzwert. Logisch, dass eine ganzjährige weltweite Plattform wie die Rallye-WM auf zahlreichen Kernmärkten für eine Marke wie VW sehr interessant ist.















