Rallye: Kris Nissen

VW-Motorsport-Direktor Kris Nissen im Interview: Neuer Race-Touareg 3 besser

Lesen Sie im ersten Teil des Interviews mit VW-Motorsport-Direktor Kris Nissen (50), was er über den neuen Race Touareg 3, neue Hersteller in der Rallye-WM, sowie die Entwicklung eines 1,6-Liter-Turbomotors sagt. Lesen Sie hier ab dem 18.08.2010 die Fortsetzung des Interviews.

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Foto: Hersteller

Im Rahmen der ADAC Rallye Deutschland zeigt VW den neuen Race Touareg 3. Können wir schon über den RT3 reden?
Kris Nissen: Warum nicht? Für die Medien und uns ist es doch gleichermassen schön, wenn die Öffentlichkeit neugierig ist auf dieses Auto. Bilder des RT3 gibt es aber erst bei der Präsentation.
 
Was ist neu am Race Touareg 3?
Einiges. Seit wenigen Monaten gibt einen neuen, noch besseren VW Touareg. Dazu gehört dann auch ein noch besserer Race Touareg. Betrachtet man den RT3, erkennt man nun viel eher das Serienauto. Zudem wird ein Rennauto immer weiterentwickelt. In der chilenischen Atacama-Wüste ist es viel heisser, als zum Beispiel in den Dünen von Mauretanien. Ergo haben wir an der Optimierung der Kühlsysteme gearbeitet. Unser Auto lebt von Wasser- und Luftkühlung für Motor, Getriebe und Differential. Wir haben keine separate Ölkühlung, alles funktioniert über Wärmetauscher. Ein Grossteil des Fahrzeugs ist vom bewährten Vorgänger. Im Detail gibt es dabei Weiterentwicklungen und Designänderungen. Die Wettbewerbspremiere folgt bei der Silkway-Rallye in Russland (11. – 18. 9. 2010 die Red).
 
Wie viele Autos schickt VW bei der Silkway-Rallye an den Start?
Es werden vier Race Touareg dabei sein. Ein Auto läuft in der Dakar-Konfiguration 2011, drei weitere setzen wir auf Dakar-Stand von 2010 ein. Nach derzeitigem Stand sind wir mit den gleichen Fahrerpaarungen dann auch bei der Dakar 2011 am Start. Alle Fahrer und Beifahrer sowie die Führungsebene von Volkswagen Motorsport wird bei der Präsentation in Trier sein.

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Warum präsentiert VW sein Dakar-Team beim deutschen Rallye-WM-Lauf?
Wir wollten den RT3 vor der Silkway-Rallye vorstellen – am liebsten in Deutschland. Trier ist dafür ideal: Die Fans oder Journalisten, die sich für die Rallye-WM interessieren, entsprechen am ehesten jenen, welche wir mit der Rallye Dakar ansprechen. Anders gesagt: In Trier haben wir ein deutlich affineres Unfeld, als zum Beispiel im Rahmen der DTM, wo die Präsentation in eine nahegelegenen Kiesgrube hätte stattfinden können.
 
VW schickt zudem einen Rallye-Scirocco als Vorausfahrzeug an den Start.
Das ist taktisch klug (lacht). So wissen wir, dass unser Auto zuerst im Ziel ist. Zudem haben wir unsere eigene Klasse mit Biogas. Im Ernst: Der veranstaltende ADAC ist auf uns zugekommen, ob wir etwas gemeinsam machen können. Wir haben kurz überlegt und entschieden, unsere extrem umweltverträgliche Technologie aus dem Volkswagen Scirocco R Cup auch hier zu zeigen. So haben wir ein Cup-Fahrzeug für den Rallyeeinsatz umgebaut, mit Handbremse, etwas höher gelegt, Unterfahrschutz und natürlich mit Strassenzulassung.
 
Wer sitzt am Steuer?
Am Freitag wird der zweimalige Rallye-Weltmeister und Dakar-Sieger Carlos Sainz mit seinem Copilot Lucas Cruz den Scirocco steuern, am Samstag und Sonntag werden dann Nasser Al-Attiyah und Co Timo Gottschalk mit dem Biogas-Auto die WM-Pisten eröffnen.

Mini verkündete den Einstieg in die Rallye-WM. Ein passender Wettbewerber für VW?
Kein Hersteller kann vollständig steuern, wer in einer Serie seine Gegner sind. Wenn man Interesse an einer Serie hat, kann man schauen wer ist da. Aber die Wettbewerber sind nur ein Parameter von sehr vielen, die man bewerten muss. Wenn man andersrum, gemeinsam mit Herstellern eine Rennserie kreiert, wie zum Beispiel die DTM, hat man von Anfang an einen anderen Einfuss darauf. Man weiss, wer, wie mit wem zusammenarbeitet, angefangen beim Reglement.
 
Wie bewerten Sie Mini?
Das ist ein Kultauto und unter BMW-Führung in den vergangenen Jahren gut gewachsen. In seiner Klasse nimmt der Mini dem einen oder anderen Hersteller sicher auch Kunden weg. Für die Rallye-WM ist Mini eine Bereicherung. Jede Serie die heutzutage mehr als zwei Hersteller hat, ist auch für den fünften und sechsten interessant. Eine Serie hat dadurch ganz andere Möglichkeiten beim Bühnenaufbau, Vermarktungspotential und so weiter. Zudem ist eine Serie mit mehreren Herstellern auch nicht so gefährdet wenn einer aussteigt. Deswegen sehen wir den Mini-Einstieg sehr positiv. VW würde es aber auch begrüssen, wenn Toyota oder andere Hersteller kommen.

Viele würden auch gerne VW in der WM sehen.
Das hört man gerne. Eine Entscheidung, ob Volkswagen künftig Rallye macht oder nicht, ist durch das Mini-Engagement sicher nicht schlechter geworden, im Gegenteil. Mit Toyota wäre das ähnlich.
 
BMW entwickelt schon einen auf dem Weltmotor-Konzept basierenden 1,6-Liter-Turbomotor unter anderem für den Rallye-Mini. Wie weit ist der Volkswagen-Konzern mit so einem Triebwerk?
Wenn wir über einen reinen Rennmotor nach diesem Reglement sprechen, sind wir sicher noch nicht so weit. Wenn wir aber über die Möglichkeiten sprechen, einen 1,6-Liter-Downsizingmotor mit Turbo und oder einem Direkteinspritzer im Motorsport darzustellen, ist das eine Übung die wir in kurzer Zeit machen können. Zum einen haben wir im Konzern sehr viele solcher Turbomotoren laufen. Zum anderen haben wir im Konzern viel Rennmotoren-Know-how auch mit Direkteinspritzern, denken sie nur an Audi und Le Mans. Ich bin mir sicher, dass der Konzern zügig in der Lage wäre, einen guten und konkurrenzfähigen Motor zu stellen. Alles andere würde mich wundern.

Autor: Reiner Kuhn
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