Porträt
(Stand Januar 2012) Jari-Matti Latvala ist einer der jungen WRC-Piloten, die noch eine große Karriere vor sich haben könnten. Latvala kam 2006 zum Stobart-Team. Zuvor hatte er sich in verschiedenen finnischen und britischen Rallyes profiliert. Schon mit vier Jahren begann er, für eine künftige Karriere zu trainieren, seine erste Rallye bestritt er übrigens bereits im zarten Alter von 16 Jahren. Nur ein Jahr später, mit 17, hatte er 2002 bereits seinen ersten Auftritt mit einem Mitsubishi in der WRC. Seine Stärken sind Talent und eine für sein junges Alter beachtliche Reife.
2007 war Latvala der Aufsteiger des Jahres. In der B-Mannschaft von Ford, dem Stobart-Team, drehte der junge Finne richtig auf. Er führte erstmals Rallyes an, holte in Irland seinen ersten Podestplatz und beeindruckte beim Saisonfinale in Großbritannien mit einer Serie von zehn Bestzeiten. Das Ford-Werksteam war überzeugt von Latvala und verpflichtete ihn für 2008 als Teamkollege von Mikko Hirvonen.
Und da kristallisierte sich schnell heraus, dass Latvala das Zeug zum künftigen Weltmeister hat. Er konnte die Nummer eins im Team, Hirvonen, oft genug überflügeln, bei der Rallye Schweden 2008 gelang ihm sogar der erste WRC-Sieg. Doch in der Saisonmitte verzeichnete Latvala eine Krise und verlor sein Selbstbewusstsein. Er kehrte für zwei Rallyes zurück zum Stobart-Team und fand dort das Vertrauen in sich selbst zurück, sodass er am Saisonende 2008 wieder auftrumpfen konnte.
Auch 2009 zeigte Latvala wie schnell er ist. Doch sein großes Problem war die mangelnde Konstanz. Oft schmiss er die Chance auf Topergebnisse durch Unfälle weg. Unvergessen ist sein Horrorcrash bei der Rallye Portugal 2009, wo er mit seinem Ford Focus einen Abhang hinunter flog und sich dabei zwölf Mal überschlug. Denkwürdig war auch die Rallye Polen, bei der er in der abschließenden Zuschauerprüfung wenige Meter vor dem Ziel als Zweitplatzierter in die Leitplanke krachte.
Deshalb stellte Ford für die Saison 2010 eine klare Hierarchie auf: Hirvonen war die Nummer eins, die auf Titeljagd gehen sollte, Latvala nur die Nummer zwei. Und das schien - zumindest für Latvala - genau die richtige Strategie gewesen zu sein. Befreit von allem Druck fand er zu seinem Speed auch die nötige Konstanz, überflügelte Teamkollege Hirvonen schon recht bald, holte zwei Siege und beendete die Saison schließlich als Vizeweltmeister.
2011 begann für Latvala verheißungsvoll. Bei den ersten vier Rallyes stand er mit dem neuen Ford Fiesta RS WRC auf dem Podium. Dann folgte aber ein Durchhänger. Fahrfehler und technisches Pech verhinderten im Sommer Spitzenergebnisse. So wurde Hirvonen, der sehr konstant fuhr, intern zur Nummer eins erklärt. Beim Saisonfinale in Wales unterlag Hirvonen im Titelkampf abermals gegen Loeb.
Latvala feierte dafür seinen einzigen Saisonsieg und wurde für seine starken Leistungen im Herbst belohnt. Durch den Wechsel von Hirvonen zu Citroen ist Latvala endgültig die Nummer eins bei Ford geworden. 2012 hat der Finne in Ex-Weltmeister Petter Solberg allerdings einen starken Teamkollegen erhalten. Die neue Saison wird richtungsweisend für Latvalas zukünftige Karriere sein ? Superstar, oder ewiges Talent...