Im Mittelpunkt: GP-Sieger Riss, links Fabriek, rechts Kröger
Im Mittelpunkt: GP-Sieger Riss, links Fabriek, rechts Kröger © Schiffner

Bahnsport

Warum Riss unschlagbar ist

Von Thomas Schiffner
22.06.2009 20:19:35

Momentan lässt sich der neunfache Weltmeister auf wie abseits der Bahn nichts vormachen. Nur mit der WM-Punktetabelle hat er Probleme.

Es war, mit 44 Jahren, vielleicht der beste Gerd Riss aller Zeiten. Der Langbahn Dominator erteilte der Konkurrenz beim GP-Rennen Nummer 1 am Samstag in Marienbad eine Lektion.

Die Erfolgsfaktoren: sein winterliches Fitnesstraining mit 12 kg Gewichtsverlust, seine technische Ausrüstung mit eigenen Vergasern, sopeziellen Fahrwerkskomponenten und GM-Motoren von Anton Nischler sowie die Tatsache, dass er auf 1000 Meter Sandbahnen sowieso am schwersten zu schlagen ist. Dazu kam: Der beinahe 30-jährige Erfahrungsschatz des schwäbischen Zimmermanns und eine von Jahr zu Jahr wachsende Portion Cleverness.

Zur Motorenfrage sagte Riss: «Heute war der Fahrer und der Motor entscheidend.» -Frage: Hattest du den schnellsten Motor heute? Riss: «Ich denke schon. Nach zwei Runden hatte ich immer einen Vorsprung von 50 Metern…»

Thema Cleverness: Riss startete in Marienbad dreimal von weiss, einmal von gelb, einmal von rot, aber nie von den beiden äusseren Startplätzen grün und schwarz-weiss. Für das Finale wählte er schwarz-weiss. Warum? Riss: «Ich habe mir das zweite Halbfinale angeschaut. Da hat Appleton von schwarz gewonnen. Er war aber nicht im Finale, deshalb habe ich ihn gefragt, wie es sich von da startet. Er sagte, super, und da habe ich schwarz genommen.»

Nach dem Rennen erkundigte sich Riss nach dem aktuellen Punktestand in der WM. Ihm war entgangen, dass jetzt, wie im Speedway, Laufpunkte und keine GP-Punkte mehr vergeben werden. «Ich habe keine Zeit, die Ausschreibungen zu lesen» entschuldigte der Rekord Titelträger verschmitzt. Matthias Kröger erklärte ihm das Reglement mit einfachen Worten: «Der Unterschied zum alten System ist, dass du jetzt noch weiter vorn bist!» Das trifft den Nagel auf den Kopf: 1. Riss 30 Punkte, 2. Fabriek 22, 3. Kröger 19. Joonas Kylmäkorpi, vor der Saison einer der Topfavoriten, fehlen schon astronomische 16 Punkte auf Riss!

Mit dem neuen FIM Race Koordinator Ulli Ehlert diskutierte der Titelverteidiger und WM-Leader ein anderes Problem: Der Weltmeister trägt ab diesem Jahr eine goldfarbene Startnummernweste. Der aktuelle WM-Spitzenreiter erhält eine rote Weste. Riss zu Ehlert: «Welche Weste trage ich beim nächsten Rennen? Die goldene oder die rote?»
Mit einer spontanen Antwort war Ehlert über das unvorhergesehene Problem überfordert.
Für Riss scheint es im Moment das einzige Problem zu sein. Wenn es so bleibt, fährt er vermutlich direkt seinem 10. WM-Titel entgegen.

Den Rennbericht aus Marienbad lesen Sie in der Printausgabe von Motorsport aktuell ab Dienstag, 23. Juni.

Am Freitag, 26. Juni, berichtet Weltmeister Gerd Riss in seiner regelmässigen Kolumne auf Msa online selbst von seinen jüngsten Triumphen.




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