Kolumne - Gerd Riss

Strandläufer auf WM-Kurs?

Von Gerd Riss
13.03.2009 16:00:21

Schon zum ersten Rennen bin ich bestens ausgestattet. Warum sollte ich schlechter sein?

Wenn ich aus dem Fenster schaue, kann ich kaum glauben, dass die Eisspeedwaysaison vorbei ist und in der nächsten Woche schon der Bundesligaauftakt in Diedenbergen sein soll. Immer noch liegen bei uns in Bad Wurzach so 30 Zentimeter Schnee.

Eine Woche lang hatte ich in diesem Jahr sogar schon richtigen warmen Sand unter den Füssen, aber leider nicht unter den Rädern. Im letzten Monat waren das deutsche Langbahn-WM-Team auf Einladung von P.Collection Chef Friedhelm Pecher für eine Woche in Maspalomas. 20 bis 25 Grad hatte es tagsüber, ein paar Verrückte gingen auch im Meer baden, Stephan Katt, Matten Kröger, Bernd Diener, Betreuer Josef Huckelmann und ich zogen da doch eher den Pool vor. Wir hatten ein paar prima Tage in einem Super Hotel. Nicht nur das Wetter war gut, wir verstanden uns auch untereinander super. Ob wir in der Zusammensetzung am 16. August in Eenrum zur zweiten Titelverteidigung antreten dürfen, ist noch nicht gewiss. Einen Freibrief haben wir nicht, nominiert wird erst später, nach den Leistungen der Saison.

Ansonsten hat das Wetter keine großen Auswirkungen auf die Saisonvorbereitungen. Um diese Zeit war ich meist schon mit dem Motocross-Motorrad unterwegs, das geht jetzt noch nicht, dafür ist es im Zimmergeschäft noch ruhiger. Dadurch konnte ich mein Fitnessprogramm durchziehen und an den Motorrädern arbeiten. Ich habe alles frisch überholt. Nachdem ich im DM-Finale meinen einzigen Ausfall wegen eines defekten Kupplungskorbs hatte, habe ich auch komplett neue Kupplungen von Joachim Kugelmann eingebaut.

In einer Woche bin ich dann fast komplett. Nur bei den Motoren muss ich mich noch gedulden, weil bei meinem Meistertuner Anton Nischler jetzt erstmal die Speedwaymotoren fertig werden müssen. Ziel für mich ist der 4. April, dann will ich in Herxheim beim Training dabei sein und habe dann noch genügend Zeit für Veränderungen bis zum Saisonstart am 1. Mai in Dingolfing.
Immer wieder werde ich gefragt, wie ich meine Chancen in dieser WM-Saison sehe und wann die jungen Fahrer den Routiniers gefährlich werden. Drei Dinge machen mich optimistisch: Erstens kommt mit Herxheim nicht nur eine längere Bahn und noch dazu meine Heimbahn wieder in den Terminkalender. Im Gegensatz zu letzter Saison bin ich motorisch schon zum ersten Rennen bestens ausgestattet. Hinzu kommt noch die intensive körperliche Vorbereitung: Warum sollte ich da schlechter sein als im letzten Jahr?

Natürlich wird die Konkurrenz auf der Langbahn größer und gefährlicher. Was die jüngeren Fahrer angeht, ist es schade, dass Daniel Bacher und Sirg Schützbach nicht im GP mit dabei sind. Von daher sehe ich die größten Gegner in Dirk Fabriek, Theo Pijper, Glen Philipps, Andrew Appleton und den beiden Rückkehren Joonas Kylmäkorpi und Matthieu Tressarieu. Die Wirtschaftskrise wird sich wohl im Speedwaysport stärker bemerkbar machen als im Langbahnsport. Da könnte es durchaus sein, dass dadurch auch mehr Fahrer wieder auf längere Bahnen gehen oder zweigleisig fahren, wie es Richard Speiser in diesem Jahr praktizieren will.

Wenn er erfolgreich ist, wovon ich überzeugt bin, dann werden andere ihm folgen und für eine Verjüngung sorgen. Im Moment ist den älteren, erfahrenen Piloten aber noch immer alles zuzutrauen. Dazu gehört auch Bernd Diener, der sicherlich am Tag vorm ersten Grand-Prix-Lauf in Marienbad seine 50. Geburtstag ohne Alkohol feiert. Ich glaube der hat sich noch mal richtig etwas vorgenommen für dieses Jahr. Er war auf Gran Canaria der einzige der morgens schon als Strandläufer unterwegs war. Vielleicht schafft er ja in diesem Jahr seinen ersten Einzel-WM-Titel.




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