Schumis F1-Jubiläum - Teil 1: Legendärer Traumstart in Spa

Von MSa-Reporter Robert Höpoltseder
Michael Schumacher und Spa-Francorchamps – das ist der Stoff für Mythen und Legenden. Nach 20 Jahren wird der erfolgreichste F1-Pilot Ende August an die Stätte seiner GP-Anfänge zurückkehren – und im Silberpfeil ein weiteres Kapitel F1-Geschichte schreiben.

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Für Boris Becker entstand in der Londoner Wimbledon-Arena ein Tennis-Wohnzimmer. Für Michael Schumacher verwandelte sich der Ardennenkurs von Spa-Francorchamps zum Formel-1-Wohlfühlraum. Keine Frage, Spa wird für den Rekord-Champion(sieben WM-Titel) und Rekord-Sieger (91 GP-Triumphe) immer so etwas wie eine Wellness-Zone bleiben. Dort sind seine Wurzeln als F1-Fahrer. Dort ist seine Karriere-Quelle entsprungen, die bis heute sprudelt. Eine einmalige Begebenheit – nicht nur für Schumi-Fans. Oder?

Klar, ein so bekannter Weltklassesportler wie Michael Schumacher polarisiert: Man mag ihn oder man mag ihn nicht. Man findet sein Comeback im Silberpfeil gut oder schlecht. Man freut sich über jede Platzierung oder eben jede Pleite. Man sagt, super, dass er noch dabei ist, oder welche Schande, dass er sich das noch antut und seinen Ruf ruiniert. Fakt bleibt: Was er erreicht hat, schaffte vor ihm noch keiner und wird so schnell auch keinem mehr gelingen. Der zweimalige Champion Fernando Alonso sagt dazu: «Michaels Erfolge sind für die Ewigkeit.» Was auf der Kartbahn von Kerpen begann, wurde auf der Berg- und Talstrecke von Spa Formel-1-Historie. Und diese Geschichte wird weitergeschrieben. Das nächste Kapitel folgt Ende August in den Wäldern der Ardennen.

Am 25.August 1991 debütierte der damals 22-Jährige in der Formel 1 mit dem Jordan-Ford. Am 28. August 2011 wird der heute 42-Jährige dort im MercedesGP sein 280. GP-Rennen in Angriff nehmen. Was für ein Jubiläum, was für ein Meilenstein: Michael Schumacher und Spa-Francorchamps – 20 Jahre danach.

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Vom Nobody zum Star

In ihrem roten Schumacher-Buch beschreibt Sabine Kehm, die frühere Sportjournalistin, die heute Michael Schumachers Managerin ist, die Beziehung des Rekord-Weltmeisters zum Ardennenkurs: In Spa gelangen Schumacher immer besondere Rennen. Hier schien er immer besonders motiviert zu sein. Hier schien seine Karriere immer eine Extra-Runde zu drehen. Hier wuchs Michael Schumacher vom Nobody zum Star, weil grosse Teile seiner Legende ohne Spa nicht denkbar wären. Seine Fans wissen all das mit Sicherheit.

Weniger bekannt ist vielleicht: Wenn Michael heute über diesen 25. August 1991 spricht, kommen bei ihm kaum nostalgische Gefühle auf. Die Enttäuschung über den schnellen Ausfall damals überwiegt noch immer.

Flaues Gefühl im Magen

Nostalgische Gefühle hat Schumi für einen anderen Moment reserviert: Für den Dienstag vor seinem ersten F1-Rennsonntag in Spa, als er sich zum ersten Mal in Silverstone in eines der kraftvollsten Autos der Welt setzte. Seinen ersten Testtag als Formel-1-Pilot auf dem so genannten South Circuit. Die Szene wird im roten Buch so beschrieben: Rund um Silverstone weht ein heftiger Wind. Am frühen Vormittag sind Michael und sein Manager Willi Weber schon bei Jordan, um für die angesetzte Testfahrt den Sitz anpassen zu lassen. «Danach sind wir zur Strecke gefahren und ich hatte ein ziemlich flaues Gefühl im Magen», erinnert sich Weber.

Michaels Erinnerungen nach erging es ihm offenbar ähnlich: «Als ich in Silverstone zum ersten Mal in dieses Auto eingestiegen bin, war das für mich der eigentlich besondere Moment. Viel mehr, als beim Rennen danach. Dieser Test, das war eine unglaubliche Erfahrung, das war eine viel grössere Herausforderung. Das war viel extremer, weil ich überhaupt nicht wusste, wie ich damit zurechtkommen würde. Ich erinnere mich genau an die ersten drei Runden.»

In der ersten Runde dachte er nur: «Oops, das ist jetzt also das Ende deiner Formel-1-Karriere. Das kriegst du doch nie hin. Das Auto war absolut beeindruckend, so kraftvoll und gleichzeitig diffizil zu fahren.» In der zweiten Runde war er immer noch der Meinung: «Na ja, geht schon, aber es ist noch immer ein bisschen zwiespältig.» Doch in der dritten Runde «habe ich mich schon sehr gut gefühlt in diesem Auto. Da hatte ich ein Gespür dafür, und ich habe gesehen, dass ich damit fahren kann und dass ich das im Griff habe, dass ich also nicht über meinen Möglichkeiten fahre.»

Rookie-Test im Renn-Chassis

Bei diesem Premieren-Test auf Silverstones South Circuit fuhr Michael Schumacher nach den ersten drei Runden noch 33 weitere und stellte dabei den Rekord von Jordan in Silverstone ein, den der routinierte Andrea de Cesaris hielt. Auffallend bereits nach diesem ersten Testtag war Schumachers Abgeklärtheit und Anpassungsfähigkeit. Denn damals, anders als heute, war der Schritt von der Formel 3000 (GP2) in die Formel 1 riesig: Der Grip war so viel höher als in der kleineren Klasse, die Verzögerung so viel heftiger, die Beschleunigung so unglaublich. Alles ging viel schneller, doch dieser Bursche gewöhnte sich ungewöhnlich schnell daran.

Selbst die Tatsache, dass er mit dem Chassis testen musste, das er Tage später beim Spa-GP fahren sollte, nötigte ihn nicht zu übertriebener Vorsicht. Bei einem Crash wäre die Spa-Chance vertan gewesen.


 
Schumis Teams
 
Jordan (1991)
Im Frühjahr 1991 ist Schumacher bei Jordan im Gespräch. Doch der Mercedes-Junior muss sich gedulden. Erst als der Belgier Betrand Gachot einen Taxifahrer mit Tränengas attackiert, wird bei den Grünen ein Cockpit frei. Schumi wird für 150.000 Pfund ins Jordan-Cockpit gehievt. Bei seinem Debüt in Spa stellt er das Auto auf Startplatz 7. Im Rennen rollt er nach wenigen Metern aus (defekte Kupplung). Mehr Rennen bestreitet Schumi für Jordan nicht. Obwohl (oder weil) der ihn längerfristig an sich binden wollte.
 
Benetton (1991–1995)
Ab dem zweiten GP sitzt Schumi bei Benetton im Cockpit (als Ersatz für Roberto Moreno). Auch dieser Wechsel verläuft nicht ohne Nebengeräusche. Doch die Erfolge Schumachers lenken rasch davon ab. Im Benetton holt der Deutsche ein Jahr nach seinem Debüt 1992 seinen ersten Sieg (in Spa). Es folgt 1993 WM-Rang 4 (ein Sieg). 1994 fährt Schumacher zum Titel. Der Tod Sennas, eine illegale Traktionskontrolle, Disqualifikationen in Silverstone und Spa sowie eine Kollision beim Finale mit Damon Hill trüben das Jahr. 1995 holt Schumi seinen zweiten WM-Titel. Diesmal ohne Diskussionen.
 
Ferrari (1996–2006)
Seinen Wechsel zu Ferrari hatte sich Schumacher leichter vorgestellt. Zwar kommt er 1997 dem Titel sehr nahe (Foul an Villeneuve in Jerez), doch erst im fünften Anlauf (2000) klappt es mit dem ersten Titel für die Roten. Was folgt, ist eine nie da gewesene Dominanz. In den folgenden vier Jahren gewinnt Schumacher 39 (!) von 68 Rennen und vier weitere Titel. 2002 darf er sich schon am 21. Juli die Krone in Magny-Cours aufsetzen. 2005/2006 steht Fernando Alonso dem inzwischen siebenmaligen Weltmeister vor der Sonne. In Monza (Sieg Nr. 90 von 91) folgt die Rücktrittserklärung.
 
Mercedes (seit 2010)
Vor Weihnachten 2009 platzt die Bombe. Schumi kehrt zurück und fährt für seinen alten Arbeitgeber Mercedes. Von Erfolg ist die Partnerschaft nach eineinhalb Jahren noch nicht gekrönt. Schumi wartet auch nach 30 Rennen in Silber immer noch auf seinen ersten Podestplatz seit China 2006.

Den zweiten Teil zu Michael Schumachers F1-Jubiläum finden Sie hier.

Autor: Robert Höpoltseder/CE
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