«Das ist die abenteuerlichste Motorkonstruktion, an der ich je gearbeitet habe!» Peter Rosenmayer, Maschinenbauer und Spezialist für das Tunen von Sport- und Rennmotoren mit Werkstatt in Markgröningen (www.peterrosenmayer.de ), kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Im Sommer 2007 begann der Österreicher damit, den Brabham-Formel-1-Rennwagen mit dem Repco-V8-Motor zu zerlegen und fahrbereit zu machen. Repco hatte im Februar 1964 von Jack Brabham den Auftrag bekommen, einen Dreilitermotor für das ab 1966 gültige neue Formel-1-Reglement zu entwickeln. Als Basis diente ein 5,4-Liter-V8-Motorblock vom Oldsmobile 422, eine Kurbelwelle mit kürzerem Hub von Laystall wurde eingebaut, die Tassenstössel für die zwei oben liegenden Nockenwellen in den zwei Aluminium-Zylinderköpfen stammten von Alfa Romeo und die Pleuelstangen vom britischen 4,5-Liter-Daimler-V8. Den Antrieb der Nockenwellen besorgte eine einfache Kette an der Stirnseite, die so dünn ist, dass man sie eher an einem Fahrrad vermuten würde. Der 40-jährige griechische Reeder Joannis Inglessis hatte den F1-Brabham im Frühjahr 2007 in technisch bedauernswertem, aber optisch verführerischem Zustand bei der «Retromobile» in Paris für gut 400 000 Euro ersteigert.
Glanzvolle GP-Historie
Ein Preis, der bei Rennwagen mit einer solch glanzvollen Rennhistorie durchaus aufgerufen wird: Der Brabham BT20 fuhr in seiner Premierensaison 1966 mit Denis Hulme und Jack Brabham am Steuer neun Grands Prix und kam zweimal als Zweiter und dreimal als Dritter ins Ziel. Jack Brabham wurde Weltmeister. 1967 fuhr Hulme damit vier Rennen und gewann den GP von Monaco. Mit dem Nachfolgemodell BT24-Repco wurde der Neuseeländer 1967 Weltmeister. Anschliessend kaufte der Franzose Guy Ligier denBT20-Repco und bestritt ab Silverstone fünf Grands Prix, bevor ihn der Schweizer Charles Vögele übernahm: Sein Landsmann Sylvio Moser kam bei vier Rennen jedoch nur in Zandvoort einmal als Fünfter ins Ziel.
Danach stand dieser Brabham bis 1972 in der Sammlung des Schweizers Jo Siffert in Fribourg, der ihn an den Amerikaner Stephen Grisworld verkaufte. 1997 wurde der Brasilianer Abraham Kogan mit dem BT20 beim ersten Grand Prix de Monaco Historique Zweiter in seiner Klasse. Der jetzige Besitzer Inglessis wollte beim historischen GP in Monaco mit dem aufwendig restaurierten Brabham starten, doch der DMSB verweigerte die Zulassungspapiere mit dem Hinweis auf eine fehlende Materialprüfung. Die Forderung lautete: Die Legierung des Metalls, aus dem der Gitterrohrrahmen gefertigt ist, muss mit derjenigen identisch sein, die vor 45 Jahren von Brabham verwendet wurde.
Erster Restart ungewiss
Peter Rosenmayer zerlegte also den Rennwagen noch einmal komplett und übergab den Rahmen zur Materialprüfung an die DEKRA in Stuttgart. Das Ergebnis des Gutachtens ist noch nicht bekannt, und so steht das seltene Stück in Einzelteilen in Rosenmayers Werkstatt. Wann der teure Brabham wieder fahren kann, ist also weiter ungewiss: Ausser beim historischen Monaco-GP 2012 gibt es für ihn derzeit ohnehin nur in der britischen GP-Masters-Serie die Möglichkeit zum Einsatz.







