Von MSa-Reporter Michael Bräutigam
Gibt es ihn überhaupt noch, den klassischen Rundstrecken-Breitensport? In Zeiten, in denen Starterlisten von GT-Serien aus allen Nähten platzen? Allerdings: Die DMV BMW Challenge ist ein (auf)blühendes Beispiel dafür.
Als die DMV BMW Challenge 2007 ins Leben gerufen wurde, gehörte Kai Beck zunächst lange zu den aktiven Teilnehmern. Heute leitet der Geschäftsführer einer Speditionsfirma die Serie. «Ich denke, wir sind auch auf einem guten Weg», sagt Beck und lässt am Hockenheimring den Blick mit ein wenig Stolz über «sein» Fahrerlager schweifen.
Konzept für jedermann
Damit hat er durchaus Recht: Zwar hat er die Serienleitung erst zur aktuellen Saison übernommen und die Starterzahlen liegen bisher nur knapp im zweistelligen Bereich, Interessenten für einen Einstieg spätestens 2012 gibt es aber genug. Zum einen aufgrund des genial einfachen Konzepts: Mindestgewicht, Maximalleistung, Einheitsreifen, überwiegend Serientechnik – und schon ist eine Serie, die jeden ambitionierten Hobbyrennfahrer anspricht, perfekt. «Wir haben uns technisch an den VLN-Serienwagenklassen orientiert », erläutert Beck. Zum anderen wegen der familiären Stimmung unter den Fahrern. Der erste Eindruck, wenn man ins Fahrerlager der Serie kommt: Hier kennt, mag und respektiert jeder jeden.
Fighten bis zum Schluss
Auf der Strecke verfliegt das Familienflair dagegen schnell. Beim 80-Minuten-Rennen auf dem Hockenheimring zeigt sich nämlich, dass das Konzept tatsächlich für Chancengleichheit sorgt und den Fahrern alles abverlangt: Im Ziel liegen Platz 1 und Platz 4 nur knapp 18 Sekunden auseinander. Das ist vor allem unter dem Aspekt beachtlich, dass man an diesem Tag im Feld der AvD 100 Meilen mitfährt. Und dort tummeln sich mit slickbereiften Viper, Porsche und Co. etwas andere Kaliber. Die wollen zwischen den ohnehin schwächeren BMW, die dazu noch auf Kumho-Semislicks ausrücken, natürlich nur ungern Zeit liegen lassen. Ganz vorne am Ende eines spannenden Rennens: Vorjahresmeister Mario Kressel, der wie seine härtesten Konkurrenten in Klasse 1 (BMW E30 325i) startet. Dahinter folgen im dichten Abstand Marcus Baier, Klaus Roth und Marek Müller.
Von der Formel 1 in den M3
Die Gesamtsiege fährt in der DMV BMW Challenge des Jahres 2011 für gewöhnlich Sascha Faath ein. Er arbeitet hauptberuflich im Windkanal des Sauber-F1-Teams. Ist also mitverantwortlich dafür, wie Sergio Pérez und Kamui Kobayashi in den Grand-Prix abschneiden. In der BMW Challenge fährt er als Einzelstarter in der stärksten Klasse 5 (BMW E36 M3). Aber auch wenn die direkte Konkurrenz fehlt: Faath würde wohl mit knapp 20 Jahren Motorsporterfahrung auch sonst ganz vorne fahren. Am Hockenheimring teilte er sich den rund 300 PS starken M3 mit seinem Vater, dem Berg-Urgestein Wilhelm Faath. Nur ein technischer Defekt vereitelte den Gesamtsieg des Vater-Sohn-Gespanns.
Schon 16-Jährige dabei
Während Wilhelm Faath mit 63 Jahren die Altersspanne der Teilnehmer nach oben abschliesst, fahren im Team von Lothar Schmitt zwei ganz junge Talente: Schmitt betreut bereits seit Saisonbeginn die erst 16-jährige Sarah Ganser, die gleichzeitig die einzige Frau im Starterfeld ist. Am Hockenheimring hätte sich Formel-Umsteiger Vincent Kolb, ebenfalls erst 16 Jahre jung, mit ihr das Auto von Schmitts «Performance Schmiede Odenwald» teilen sollen. Doch der Motor am schwarzen BMW E36 318is (Klasse 4) versagte den Dienst.
Mehr Jugendförderung
«Die Jugendförderung werden wir in Zukunft verstärkt vorantreiben», verrät Kai Beck. «Die Serie ist perfekt für die gerade 15- oder 16-jährigen Umsteiger aus dem Kartsport: Man hat ein Fahrzeug mit Heckantrieb, also ein richtiges Rennauto. Und man muss sehr sauber fahren, um schnell zu sein. Und hier können die Nachwuchsfahrer in einem familiären Umfeld sehr viel lernen.» Lothar Schmitt plant deshalb schon zu expandieren: «Vielleicht können wir im nächsten Jahr drei oder vier Autos einsetzen. Wir freuen uns auf die jungen Talente», so Schmitt.
Sicherheit à la DMSB
Die Professionalität der Serie zeigt sich vor allem in Sachen Sicherheit. Denn auch wenn die Renneinsätze vergleichsweise günstig sind: Gespart wird nicht am falschen Ende! Eine Sicherheitsausrüstung nach DMSB-Vorschrift ist obligatorisch. Dazu zählen im Fahrzeug 6-Punkt-Sicherheitsgurte, Feuerlöscher, Überrollkäfig, Not-Aus und so weiter. Die Piloten selbst tragen neben feuerfester Kleidung ausserdem einen Head-And-Neck-Support (HANS).
Gute Zukunftsaussichten
Der Zukunft sieht Serienleiter Kai Beck weiterhin optimistisch entgegen: «Ich denke, wir haben ein gutes Konzept, und die Serie wird weiter wachsen. Im nächsten Jahr werden wir zu den bestehenden fünf voraussichtlich noch eine sechste Klasse für BMW E30 M3 einführen. » Böse Zungen könnten nun behaupten, dass es dann bald zu einer Youngtimer-Serie kommt. Aber Beck winkt ab: «Klar, die Fahrzeuge werden immer älter. Aber früher oder später werden wir sicher auch Fahrzeuge der Baureihe E46 zulassen. Das Potenzial für die Zukunft ist auf jeden Fall da.»
Termine 2011
19.3. Nürburgring (Test)
31.3.-3.4. Hockenheim
20.-22.5. Zolder
17.-19.6. Hockenheim (80 min)
15.-17.7. Oschersleben (30+60 min)
9.-11.9. Salzburgring (A)
2.-3.10. EuroSpeedway Lausitz
21.-23.10. Nürburgring
Internet: www.dmv-bmw-challenge.com
Autor: © Motorsport-Total.com











