von MSa-Reporter Robert Höpoltseder
Neuer Sponsor, alte Sorgen. Für Teamchef Peter Sauber hatte sich der Ablauf beim Spa-GP dem Ardennenwetter angepasst: Wechselhaft. Dem vermasselten Quali folgten vier WM-Punkte im Rennen durch Kobayashi.
Pedro de la Rosas Tage bei Sauber dürften gezählt sein. Beim Belgien-GP leistete er sich im Regen zwei Ausrutscher, die eines Routiniers unwürdig sind. Das war auch ihm bewusst, als er als 12. (statt als 10.) die Ardennen verliess. Im Hightech- Werk im Zürcher Oberland stehen derweil die Piloten bei Teamchef Sauber Schlange. Für Sauber hatte die Woche vor dem Belgien-GP in den Ardennenwäldern mit der Nachricht begonnen, dass der global auftretende Schweizer Bankkonzern UBS ab 2011 zum globalen Partner und Sponsor der Formel 1 wird. Knapp 20 Millionen Euro will die Bank dafür jährlich ausgeben, dass sie die schillernde GP-Szene als Business- und Werbeplattform nutzen darf. Chef der UBS ist Oswald Grübel, der einst als Boss der Konkurrenzbank Credit Suisse das Sauber-Team sponserte, dann mehrheitlich kaufte und dort im Aufsichtsrat sass. Formel-1-Fan Grübel, ein Deutscher, wäre wohl auch jetzt wieder lieber bei Sauber als bei Bernie Ecclestone eingestiegen – doch sein Aufsichtsrat entschied anders.
Wieder neuer Sponsor
Teamchef Peter Sauber hätte das Geld zweifellos gut gebrauchen können, wie seine immer noch blütenweissen Autos belegen. In Spa-Francorchamps konnte die Schweizer Equipe aber ungeachtet dessen mit einem alten und neuen Geldgeber aufwarten: Für einmal prangte wieder das Burger-King-Logo auf den Boliden «made in Hinwil», und dann stand auf den Endplatten der Heckflügel neu «Mad Croc» (verrücktes Krokodil) geschrieben – der Name eines finnischen Unternehmens mit Sitz in Luton bei London, das sich sein erstes Engagement in der Königsklasse für 2010 vorerst einmal rund 700 000 Euro kosten lässt, wie Insider schätzen. Die Spezialität dieser Firma sind «Energy Gums,Chews and Drinks», also Energiebonbons, -kaugummi und -getränke. Alle diese Energiespender standen in der Sauber-Hospitality zur Verkostung bereit. Wer wollte, durfte zugreifen. Inwieweit die beiden Fahrer, Pedro de la Rosa und Kamui Kobayashi, von diesem aufputschenden Angebot Gebrauch machten, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass ihre Energien im Qualifying gleich in Q1 verpufften – und das erst noch in der gleichen Minute und jeweils in der Outlap, also in der Einführungsrunde. Das war zweifellos ein Novum in der Formel 1, wo man ja schon vieles gesehen hat.
Bei den Reifen verpokert
Weil der Spanier und der Japaner im Reifenpoker die falschen Gummiwalzen aufgezogen hatten, nämlich Slicks statt Intermediates, rutschten beide von der nassen Strecke – in Turn 8 und 14, um 14.24 und 14.25 Uhr. Da blieb nicht nur Yoshi, Kobayashis Landsmann und Manager, das Sushi im Hals stecken. Auch Saubers Technikchef James Key hatte an den schlechten Startplätzen 16 und 22 zu kauen. Und den Piloten lag die Peinlichkeit sowieso schwer im Magen. Denn letztlich war’s ein schwacher Trost, wenn es hiess, hinterher sei man halt immer klüger. Da kam der neue Sauber-Sponsor «Mad Croc» als Muntermacher gerade recht. Was die Zukunft der beiden Fahrer bei Sauber anbelangt, hat derzeit der jüngere, der 23-jährige Kobayashi, die deutlich besseren Chancen. Der Grund ist logisch: Sauber hat dem aufstrebenden, aber F1- unerfahrenen Talent aus dem Land der aufgehenden Sonne die erste volle GP-Saison ermöglicht. Dies ist bei einem «Kamikaze» wie Kamui stets mit grossen Risiken verbunden. 2011 wird Sauber deshalb darauf setzen, dass Kobayashi aus seinen Anfängerfehlern gelernt hat und es besser macht. Trotz Angeboten wird Sauber den Japaner nicht ziehen lassen.
Für den 39-jährigen de la Rosa dürfte dagegen bei Sauber der Zug abgefahren sein. Der Routinier möchte natürlich weiterhin Rennen fahren und nicht wieder auf die Ersatzbank zurück, von der er von McLaren gekommen war. Er wartet noch auf eine Entscheidung. Doch der Spanier mit dem unbezahlbaren Know-how hat fahrerisch bisher nicht das gehalten, was er versprochen hat. Ersetzt werden könnte er durch einen Routinier wie Heikki Kovalainen oder Jarno Trulli. Wahrscheinlicher ist jedoch ein junger Bezahlfahrer.
Autor: Robert Höpoltseder







