Historische Formel V: Hintergrund
Die wilden Zeiten der Formel V in den 60er und 70er-Jahren
Die wilden Zeiten der Formel V der 1960er- und 70er- Jahre sind Legende: Unzählige Anekdoten und grosse Namen verbinden sich mit der bis heute preisgünstigsten und reizvollsten Rennwagen- Einsteigerklasse. Ein Bericht von MSa-Redakteur Peter Voncken.
Im Grunde ist alles noch wie damals: niedrige Kosten, einfache Technik und jede Menge Fahrspass. Dazu gibt es gratis eine familiäre Atmosphäre im Fahrerlager, eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft und ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das im modernen Motorsport meist abhanden gekommen ist. Seit 1994 arbeitet der Verein «Historische Formel V Europa» (www.formel-vau.eu ) am Bewahren und Fortführen der Erfolgsgeschichte der grössten Nachwuchsserie aller Zeiten. Diese Geschichte dauerte von 1965, als der damalige Porsche- Rennleiter Huschke von Hanstein die ersten VW-Käfermotor- getriebenen Rennautos aus den USA nach Deutschland mitbrachte, bis 1982, als die technisch schon sehr weit vom Ursprung fortentwickelte Formel Super V ihre letzte Saison fuhr.
In diesen 17 Jahren wurden über 3000 Rennwagen mit VW Motoren und -Achsen gebaut. Alles andere war dem Geschick und der Genialität der Konstrukteure überlassen, und so entstanden hässliche und verwegene, bildhübsche und skurrile Rennwagen in einer bunten Vielfalt und von zahlreichen Marken und Machern. 130 Mitglieder, 100 Rennautos Und weil man Rennwagen nicht wegwirft, sondern repariert und pflegt, besitzen die 130 Mitglieder des historischen Formel- V-Vereins noch rund 100 fahrfertige Exemplare. Damit ist die Formel V die grösste historische Monoposto-Serie Europas. Und die Nachfrage steigt, wie Vereinsvoritzender Dr. Frank Orthey aus München erfreut registriert. Bei den Voraussetzungen kein Wunder: Der Verein verfügt über hohe technische Kompetenz, ein erstklassiges Archiv und steht Neu- und Wiedereinsteigern mit Rat und Tat zur Seite. Und wie vor45 Jahren gilt auch heute: In keiner Kategorie kann man mit so wenig Geld echten Motorsport betreiben.
Wobei sich das «echt» vor allem auf das Fahrgefühl und die Freude am schnellen, präzisen Fahren auf einer Rennstrecke bezieht: Nicht zuletzt auch aus Kostengründen (Fahrerlizenz, Wagenpapiere) werden bei den sechs diesjährigen Veranstaltungen in Hockenheim (zweimal), in Oschersleben, in Zandvoort, auf dem Salzburgring und dem Nürburgring keine Rennen, sondern Gleichmässigkeitsläufe gefahren; bei denen der gewinnt, der die Runden in einer möglichst identischen Zeit absolviert. «Die meisten unserer Mitglieder wollen das so haben», verrät Orthey, «denen geht es mehr um den Spass als um den Wettbewerb.» Schliesslich sind das keine hungrigen Nachwuchspiloten, die gross rauskommen wollen: Die meisten sind über 50 Jahre alt, Petra Kehrer ist die Jüngste mit 28, Heinz Hartmann der älteste Fahrer mit 76 Jahren. Eine Saison unter 5000 Euro «Man muss immer das machen, was man kann,» bekennt in aller Bescheidenheit der 55-jährige Johann Haas aus Altenberg bei Linz in Österreich. Der gelernte Maschinenbauer, der heute Maschinen zur Möbelherstellung vertreibt, hat sich vor fünf Jahren einen Austro-Formel V(1,3 Liter/75PS/375 kg) zum runden Geburtstag geschenkt. Es ist eines jener 85 Exemplare, die 1969 bei Porsche Salzburg entstanden sind.«Den kann ich selbst vorbereiten, da geht so gut wie nichts kaputt und für unter 5000 Euro kann ich die ganze Saison mit zehn Läufen bestreiten.» Darin liegt der Reiz dieser Formel: günstiger Motorport mit hohem Spasspotential.
Autor: Peter Voncken







