IndyCar: Simona de Silvestro

Indycar-Pilotin Simona de Silvestro: Budgetloch in der Kasse

Es ist nur ein kurzer Heimatbesuch. Gerade einmal für eine Woche ist Simona de Silvestro zurück in der Schweiz. Wir treffen die Rennfahrerin an einem Golfplatz bei Winterthur. In der Gegend sind ihre Eltern aufgewachsen, ihre Oma wohnt noch in der Nähe. Golfspielen ist nicht de Silvestros Ding. «Nach neun Löchern ist es mir langweilig. Ich fahre lieber mit dem Golf-Cart», sagte die gebürtige Thunerin. Irgendwie hat sie immer nur Speed im Kopf.

Bilder
zurück Bild 1 von 10 weiter

Kurzer Heimatbesuch: Simona de Silvestro lebt seit 5 Jahren in den USA.

Kurzer Heimatbesuch: Simona de Silvestro lebt seit 5 Jahren in den USA.

«Dass Simona schnell ist, das ist das Wichtigste und das zeigt sie», lobt HVM-Teamchef Keith Wiggins. Der Engländer ist zusammen mit seiner Fahrerin und deren Manager Imran Safiulla in die Schweiz gekommen. Sie sind auf Sponsorensuche. Bereits für 2011, aber auch noch für diese Saison. Denn in der Kasse klafft ein Loch von rund einer Million US-Dollar (ca. 800 000 Euro, 1 Mio. CHF).
Zwar hat de Silvestro bereits rund eine halbe Million Dollar Preisgeld (beste Platzierung: P14 beim Indy 500) in die Teamkasse gebracht, doch der Feuerunfall in Texas hat alles wieder zunichtegemacht. Der Schaden lag bei rund 600 000 Dollar. Das Geld fehlt nun. Zum anderen ist auch der bisherige Hauptsponsor pleite.

«Wirtschaftlich ist es mein schwierigstes Jahr im Motorsport», sagt Wiggins, der seit fast 30 Jahren im Geschäft ist. Aber er bleibt positiv: «Ich gehe davon aus, dass wir die Saison zu Ende fahren.» De Silvestro geht mit zum «Klinkenputzen». «Ich kann dabei viel lernen. Es ist ein wichtiger Teil des Geschäfts», weiss die 21-Jährige, die im vergangenen Jahr knapp den Titel in der Formel Atlantik verpasste. Sie lacht viel, ist zugänglich, natürlich und auch ein bisschen frech, aber nie repektlos, wenn sie beispielsweise Teamchef Keith Wiggins foppt.
Familie und Freunde setzen alles daran, dass es mit der Karriere weitergeht. So haben sie den Simona de Silvestro Club gegründet, der anlässlich der Geburtstagsfeier von Journalist Peter Lattmann präsentiert wurde. Dieser Club unterstützt mit gestaffelten Spenden, für die es je nach Höhe (200 CHF/ca. 150 Euro bis 10 000 CHF/ca. 7500 Euro) verschiedene Gegenleistungen gibt.
Die junge Lady arbeitet weiter an ihrem Traum: «Das ist immer noch die Formel 1. Aber Kontakte gibt es keine.» Kurz nach dieser Aussage hatte die Waadtländerin dann doch einen. Teamchef Peter Sauber kam zu jener Geburtstagsfeier. «Wir haben über seine und meine Saison geredet. Aber nicht über konkrete F1-Möglichkeiten», sagt sie später.

Erstes Treffen mit Peter Sauber
«Formel-1-Chef Bernie Ecclestone würde sehr gerne eine Frau in der Formel 1 sehen. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass es das eine oder andere Team gibt, dass sich mit diesem Gedanken anfreunden könnte», sagt Peter Sauber, «auf der anderen Seite haben wir alle noch das Beispiel von Sébastien Bourdais in Erinnerung. Er hat in den USA vier Mal in Serie den Titel gewonnen, war der absolute Überflieger und wurde dann in der Formel 1 (bei Toro Rosso) nach eineinhalb Jahren ersetzt.» Daher fügt Sauber hinzu: «Wenn ich Simona einen Rat geben müsste, würde ich ihr ans Herz legen, in den Staaten zu bleiben und sich dort die Sporen abzuverdienen.»
Derzeit ist das auch de Silvestros zukünftiges Ziel. «Ich möchte Rennen gewinnen und auch den Titel», sagt sie keck. Noch ist sie eindeutig im Lernprozess. Das zeigte auch ihr Fahrfehler in Watkins Glen, als sie mit frischen Reifen nach dem Boxenstopp zu forsch ranging und in die Leitplanken krachte. «Das hat mich sehr geärgert.» Dennoch ist sie positiv gestimmt: «Wir sind nie langsamer geworden und arbeiten von Rennen zu Rennen immer besser zusammen.»

Einen Teamkollegen hat de Silvestro nicht. Und was ist, wenn sie mal einen Tipp braucht? «Dario Franchitti ist ziemlich offen und auch Scott Dixon. Will Power kenne ich noch aus seiner Zeit bei Walker.» Nicht die schlechtesten Informationsquellen – das sind die Top 3 der IndyCar. Die meiste Zeit in den USA verbringt die Schweizerin am Flughafen oder beim Team in Indianapolis. «Wir sind wie eine Familie, eine richtige Einheit.» Und die verlangte auch etwas Spezielles von de Silvestro bei ihrem Heimatbesuch: «Ich muss ihnen Schweizer Schokolade mitbringen.»

Autor: Katrin Wolff
Lukas Lukas » 16.08.2010, 16:04 Uhr  #2

Sehe ich ähnlich.Simona fährt sehr gut.Dabei ist sie noch Rookie.Ich finde sie sollte in den USA bleiben.Da kann sie gutes Geld verdienen und Erfolge sammeln.F1 ist evtl doch bissl zu anspruchsvoll.Außerdem muss man da richtig Glück haben.Man schaue nur mal wie ein richtig guter Fahrer, z.B.Heidfeld, sein Talent in den falschen Teams verschwendet hat.Und Simona würde sicher kein Angebot von McLaren oder Ferrari bekommen.Denn ist es besser sie fährt um die Indycar-Meisterschaft oder das Indy500.Danica Patrick´s Leistungen sind auf jeden Fall zu übertreffen möglich.

gilbert kolly gilbert kolly » 13.08.2010, 12:50 Uhr  #1

ich beobachte simona de silvestro schon seit längerem und glaube fest an ihr talent und ihr potential.
viele, auch ich würden sie gern unterstützen. sie sollte ihre homepage dementsprechend gestalten. so, dass man auf einfache art die zahlungsverbindung sieht.
...oder, wie wärs wenn msa ein fonds einrichten würde...
freundliche grüsse, gilbert kolly

MOTORSPORT aktuell