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Ken Roczen: Weltmeister der Rekorde

Von MSa-Reporter Imre Paulivits und Alex Hodgkinson
So schnell waren nicht einmal die deutschen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und Sebastian Vettel: Mit 17 Jahren wurde Ken Roczen Motocross-Weltmeister. Beim Grand Prix Europa im schwäbischen Gaildorf machte der Thüringer am Sonntag mit einem Sieg und einem dritten Platz in der MX2-Klasse alles klar.

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Sein Talent

Der Osten Deutschlands scheint die beste Brutstätte für Motocross-Talente zu sein. Vor Ken Roczen wurde schon Paul Friedrichs (71) von 1966-68 dreimal Weltmeister bei den 500ern. Der stammt zwar nicht wie Ken Roczen aus Thüringen, sondern aus Mecklenburg, aber die Leidenschaft der Ostdeutschen zum Motorrad-Offroadsport beflügelte auch seine Karriere. Roczen hatte auch sonst ein ideales Umfeld. Er wuchs auf einem alten Bauernhof mit Motocross-Strecke nebendran auf. Wenn er von der Schule heimkam, brauchte er die Maschine nur aus der Garage zu holen und es konnte losgehen.

Sein aussergewöhnliches Talent kam schon in seiner Kindheit schnell zum Vorschein. In den jeweiligen Kinderklassen sind meist die Ältesten die Schnellsten. Roczen brauchte nach einem Klassenwechsel nie lange, um wieder der Schnellste zu sein. Er verbrachte deshalb auch nie lange in einer Junioren-Kategorie. Er wechselte immer so schnell es ging in die nächsthöhere Meisterschaft. Und konnte auch immer und überall sofort gewinnen. Dies setzte sich bis zur Weltmeisterschaft fort, wo er gleich im ersten Jahr in Teutschenthal gewinnen konnte und mit 15 Jahren und 53 Tagen zum jüngsten GP-Sieger aller Zeiten wurde.

Sein Fahrstil erinnert an den grossen Stefan Everts: wenig spektakulär, aber sehr effizient und sicher. Roczen springt flach, um möglichst früh wieder Gas geben zu können. Schon als Kind hat er per Video die Weltbesten ganz genau studiert und sich so perfektioniert.

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Sein Charakter

Neben grenzenlosem Ehrgeiz und Disziplin ist es vor allem absolute Siegbesessenheit, die Ken Roczen zum Ausnahme-Motocrosser macht. Ein zweiter Platz ist für ihn eine solche Enttäuschung, dass er früher deshalb immer geweint hat. Heute zieht er sich nach Niederlagen in sein Innerstes zurück. Für den Sieg tut er deshalb alles, lebt dafür. Da ähnelt er sehr dem grössten Rundstrecken-Superstar Valentino Rossi.

Roczens Mentor, Bert Poensgen, sieht noch eine Parallele zum neunfachen Strassen-Weltmeister: «Weil Ken so gut und mental so stark ist, kann er seine Gegner genauso zermürben. Die, die lange in der gleichen Klasse gegen ihn fahren, können einem regelrecht leid tun. Man sieht es an Jeremy Herlings. Der tut zwar nach aussen so lässig, in Wirklichkeit hat seine Selbstsicherheit mächtig gelitten, weil er an Ken zerbrochen ist.» Poensgen weiter: «Dazu ist Ken unendlich offen. Er kommt mit jedem, und das aus jeder Generation, gleich sofort aus.»

Poensgen weiss aber noch eine weitere Roczen-Eigenschaft sehr zu schätzen: «Er hat sich durch den Erfolg und den Hype um seine Person kein bisschen verändert. Er ist noch genau der gleiche nette Kerl wie zu Beginn. Ich hoffe, dass er auch immer so bleiben wird.»

Seine Rekorde

Die Karriere von Ken Roczen liest sich wie der unaufhaltsame Durchmarsch durch die Welt des Motocross. Dank seines Talents und seiner Siegesbesessenheit stellte er bei seinem Triumphzug auch eine ganze Menge Rekorde auf.

Mit gerade mal vier Jahren war er bereits Meister bei der Deutschen Jugendförderung Motorsport (DJFM), als er seine erste Outdoor-Meisterschaft mit den kleinen 50ern gewann. Mit sechs Jahren war er bereits dreifacher Meister der DJFM. Mit neun Jahren war Ken Roczen bereits zum ersten Mal Weltmeister, im DJFM-85-ccm-Championat. 2004, mit zehn Jahren, gewann er die Deutsche Jugend Motocross Meisterschaft und wurde damit jüngster Deutscher Meister der Geschichte. 2007, gerade erst 13 Jahre alt, wurde Roczen Junioren-Weltmeister bis 85 ccm.

2009 war er mit 15 nicht nur der jüngste Teilnehmer des ADAC-MX-Masters, sondern er gewann auch den Titel – als jüngster Teilnehmer aller Zeiten. Im gleichen Jahr nahm er auch an der MX2-WM teil und wurde jüngster GP-Lauf- und Gesamtsieger. Nun ist Ken Roczen der jüngste MX2-Weltmeister, den es je gab.

Seine Zukunft

Ken Roczen standen von der KTM-Seite alle Türen offen und die beiden Strategen der Orangen, Heinz Kinigadner und Pit Beirer, überliessen dem Ausnahmekönner selbst die Entscheidung über seine Zukunft.

So wird Ken Roczen seinen WM-Titel nicht verteidigen, sondern in die USA gehen. Er will sich dort mit den Besten der Besten messen und schaffen, was vor ihm nur ein Weltmeistergeschafft hat: Auch den US-Supercross- und Outdoor-Titel zu erobern. Dies gelang zuvor nur Supertalent Jean-Michel Bayle 1991. Vorerst fährt Roczen aber 2012 in der Lites-Klasse, was der hiesigen MX2 entspricht. Der Wechsel nach einem Jahr in die SX1 ist offen.

«Bei dem US-Einsatz kommt auch Politik mit ins Spiel», klärt Manager Bert Poensgen auf. «Wenn KTM es schafft, James Stewart zu verpflichten, dann wäre es finanziell ein sehr schwieriges Unterfangen, auch für Ken den nötigen Aufwand in der SX1 zu betreiben. Da könnte für alle einweiteres Jahr von Ken bei den Lites lukrativer und erfolgsversprechender sein.» Aber: Das Fernziel ist klar der US-Supercross-Titel. Und bisher hat Ken Roczen alle seine Ziele erreicht.

Zur Person

Geburtstag: 29. April 1994
Geburtsort: Mattstedt (D)
Herkunftsland: Deutschland


Erfolge

1997: Erstes Rennen
1998–2000: DJFM-Meister 50ccm
2001: DJFM-Meister 65ccm
2002: DJFM-Meister 65ccm, DJFM-Meister 85ccm, WM-Dritter 65ccm, Junioren-Vizeweltmeister 85ccm
2003: Junioren-Weltmeister 85ccm
2004: Deutscher Jugend-Motocross-Meister, 8. ADAC-MX-Junior-Cup
2005: Deutscher Jugend-Motocross-Meister, 2. ADAC-MX-Junior-Cup
2006: Meister ADAC-MX-Junior-Cup, Vize-Junioren-Europameister
2007:
Junioren-Motocross-Weltmeister, 3. ADAC-MX-Youngster-Cup 250 ccm, 11. Motocross-DM 125 ccm
2008: Meister ADAC-MX-Youngster-Cup, 16. Motocross-DM 125 ccm, 30. MX2-EM
2009: 5. MX2-WM, Meister ADAC-MX-Masters
2010: 2. MX2-WM, Meister ADAC-MX-Masters, 3. MX der Nationen
2011:
Weltmeister MX2,13. ADAC-MX-Masters

Autor: Imre Paulovits und Alex Hodgkinson
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