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Michèle Mouton: Auch mit 60 der ewige Vulkan

Von MSa-Reporter Reiner Kuhn
Am 23. Juni feierte Michèle Mouton ihren 60. Geburtstag – 25 Jahre nachdem sie ihren letzten WM-Lauf bestritt. Mittlerweile ist die Französin mit dem heissblütigen Temperament als Rallye-WM-Managerin in die Topliga zurückgekehrt. Geplant hatte sie das ebenso wenig wie ihre erfolgreiche Fahrerkarriere.

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Foto: Sutton

Michèle Mouton: Die Französin aus Grasse hatte für ihre Karriere nie einen genauen Plan

Michèle Mouton: Die Französin aus Grasse hatte für ihre Karriere nie einen genauen Plan

Vor genau 30 Jahren markierte Michèle Mouton bei der Akropolis-Rallye ihre erste von 162 WP-Bestzeiten in der Rallye-WM. Wo sie es zudem zu neun Podiumsplätzen, vier Laufsiegen und sogar zur Vize-Weltmeisterin brachte. Heute ist die Französin als FIA-Funktionärin wieder mittendrin. Küsschen links, Küsschen rechts. Madame grüsst mit französischem Charme. Respekt und Anstand sind Mouton, wegen ihres einst heissblütigen Temperaments «Der Vulkan» genannt, wichtig. Schon deshalb spricht sie weniger über ihr Alter, mehr über die Zahlen an sich.

«50 war schwieriger», gesteht Mouton lächelnd, «auch wenn ich 60 deshalb nicht besser finde. Aber im Grunde ändert sich wenig: Ich bin immer noch da, mir geht es gut, und ich habe etwas zu tun. Die Zahl ist also unwichtig. Viel wichtiger ist es, so einen Tag mit Freunden zu feiern.»

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Eine klare Trennlinie

Die Motorsportszene wird dabei kaum vertreten sein. «Geschäft und Privat sind zwei verschiedene Welten», zieht Mouton anders als viele Kollegen eine klare Trennlinie. Ihre Augen leuchten, wenn sie bekennt: «Für mich gibt es kein Grau, nur Schwarz und Weiss. Das war schon immer so. Ich habe auch nie lange überlegt, sondern meist schnell entschieden. So wie auf Korsika 1986, als ich Frederik (Johnsson, d. Red.), meinem Lebenspartner, sagte: ‹Ich mach jetzt Schluss. Punkt. Aus.› Ich wusste, ich bin an meinem Limit.» Mouton erinnert sich: «Ich war bei einem der besten Gruppe-B-Starterfelder aller Zeiten ganz vorne dabei, als wir wegen eines Defekts ausschieden. Zudem war mit dem tödlichen Unfall von Henri Toivonen klar, dass die Gruppe-B-Ära beendet ist. Was sollte also noch kommen? Ich war 35 und spürte, dass meine Uhr als Frau tickte. Der Kinderwunsch war ja auch da.»

Moutons Tochter Jessica ist heute 24. Zusammen haben sie kürzlich für Audi einen Werbespot zum A3 RS gedreht. «Man hat uns gefragt, und wir haben spontan zugesagt. So einfach war das. Mein Leben hatte nie einen genauen Plan. Auch nicht, als ich mit dem Motorsport anfing. Egal was ich mache, ich will einfach gut sein.»

Mit 14 erstmals am Steuer

Die Lust am Fahren war früh geweckt. Michéle Mouton denkt schmunzelnd zurück: «Auto fahren war für mich gleichbedeutend mit Freiheit, Unabhängigkeit und Bewegung. Mit 14 sass ich erstmals am Steuer. Mein Freund musste anschieben, weil ich nicht anfahren konnte. Dem 18. Geburtstag habe ich nur wegen des Führerscheins entgegengefiebert.»

Moutons Motorsportkarriere begann bei der Rallye Monte Carlo 1973 in einem Peugeot 304 dennoch auf dem Beifahrersitz. «Vielleicht wäre ich Copilotin geblieben, hätte mein Vater Pierre mir nicht die Chance gegeben, mich hinterm Steuer zu beweisen. Er wusste, dass ich davon träumte. Erst später verstand ich, dass er selbst gerne Rennen gefahren wäre, aber nicht die Mittel dazu hatte», verrät die schnelle Frau aus der Parfüm-Metropole Grasse.

Nicht gegen die Männer

«Eine Saison wollte er finanzieren, dann würden wir sehen. wo ich stehe.» Mit ihrem serienahen Renault Alpine A110 machte sich die Rallye-Novizin schnell einen Namen. «Auch später kämpfte ich nie gegen die Männer», stellt Mouton klar, «ich wollte nur beweisen, dass ich das auch kann.» Dies gelang der Ausnahmefahrerin nachhaltig: «Bei Fiat France war ich Teamkollegin des damals schnellsten Landsmanns Jean-Claude Andruet. Bei Audi musste ich neben Topstars wie Hannu Mikkola bestehen.»

Und warum ist sie nun, ein knappes Vierteljahrhundert später, als Managerin in die Rallye-WM zurückgekehrt? Antwort: «Das ist allein Jean Todt (FIA-Präsident, d. Red.) zu verdanken», erklärt Mouton. «Selbst vor ein paar Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, für die FIA zu arbeiten. Mit meinem Job als Streckenleiterin beim Race of Champions konnte ich immer gut leben. Dann hat Jean mit mir gesprochen, und wir stellten schnell fest, dass wir ähnliche Vorstellungen haben. Er weiss aber auch, wie ich bin. Sollten unsere Ideen also mal völlig auseinanderdriften, bin ich konsequent, sage adieu und gehe auf den Golfplatz.»

Der ewige Vulkan dürfte auch auf dem Grün brodeln, oder? Madame Mouton lacht: «Gut möglich! Schliesslich hatte ich meine Schläger seit einem Jahr nicht mehr in der Hand.»


Zur Person

Geburtstag: 23. Juni 1951
Geburtsort: Grasse (F)
Herkunftsland: Frankreich
Wohnort: Grasse (F)
Familienstand: Getrennt von Fredrik Johnsson, Tochter Jessica
Hobbys: Tennis, Möbel, Reisen, Golf

Karriere

1973: Rallye-Einstieg, erst als Co-Pilotin, dann als Fahrerin auf Alpine A110
1974: Französische Frauen-Rallyemeisterin
1975: Europäische Frauen-Rallyemeisterin
1975: 24h von Le Mans auf Moynet LM75, Klassensieg und Gesamtrang 21
1976-1978: Rallye-Siege bei der Spanien-Rallye 1977 (Porsche Carrera RS) und bei der Tour de France 1978 (Fiat 131 Abarth)
1979: Erste WM-Punkte im Fiat 131 Abarth bei der Rallye Monte Carlo
1981: Platz 1 bei der San Remo Rallye – 1. WM-Laufsieg einer Frau – (Audi Quattro)
1982: 3 Rallye-WM-Laufsiege (Portugal, Griechenland, Brasilien) und Vize-Rallye-Weltmeisterin (Audi Quattro)
1983: Rallye-WM, 5. Rang (Audi Quattro)
1984: Rallye-WM, 12. Rang (Audi Quattro), Sieg beim Pikes-Peak-Bergrennen (Audi S1)
1985: Rallye-WM, Sieg beim Pikes-Peak-Bergrennen mit Streckenrekord (Audi S1)
1986: Deutsche Rallye-Meisterin (Peugeot 205 T16)  

Autor: Reiner Kuhn
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