Panorama: Grossglockner Trophy: Grossglockner Trophy: Paradis für Motorrad-Oldtimer

Die Grossglockner Höhenstrasse gilt als das Paradies für Motorradfahrer und die Grossglockner Trophy als das Schönste Oldtimer- Bergrennen Europas. Aber wehe, das Wetter spielt nicht mit.
Von IMRE PAULOVITS

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Foto: Paulovits

Bei schönem Wetter ein Traum: Das Panorama des Grossglockner-Areals

Bei schönem Wetter ein Traum: Das Panorama des Grossglockner-Areals

Der alte Herr im Regenmantel ist ganz aufgeregt. Wortstark erklärt er seinem Enkel die Unterschiede zwischen einer Norton und einer Velocette. «Weisst du, mein Junge, damals bauten die Engländer die besten Motorräder der Welt. Ich hatte selbst mal eine.» Nun kann er wieder in seinen Jugendträumen schwelgen, denn was bei der fünften Grossglockner Trophy so alles aufgefahren ist, das verschlägt selbst den Eingefleischtesten die Sprache.

Bei 180 Nennungen musste Veranstalter Thomas Fritsch einen Strich ziehen. Allein von den britischen Inseln kamen nicht weniger als 60 Fahrer, teilweise mit echten Werksmaschinen aus der Vorkriegszeit. Die Engländer störte es auch wenig, dass in der Nacht vor dem Start so viel Regen auf die Grossglockner Höhenstrasse niedergeprasselt ist, wie sonst in einem Monat. «Hat es oben geschneit?», will einer von ihnen lediglich wissen. Nein, geschneit hat es nicht, auch ist ein Teil der Strecke wieder halbwegs abgetrocknet. Aber der höchste Berg Österreichs ist wolkenverhangen, und so warnt Fritsch bei der Fahrerbesprechung: «Passt auf, ab Kilometer 9 ist der Nebel so dicht, dass man zum Teil nur 20 Meter weit sehen kann.»

Hartgesottene alle da
2002 hat der Österreicher das Grossglockner-Rennen wieder ins Leben gerufen, als Gleichmässigkeitsfahrt für Oldtimer-Motorräder. Seither findet es alle zwei Jahre statt, bisher immer bei herrlichem Wetter. Doch früher oder später konnte es nicht ausbleiben, dass der Glockner auch mal richtig die Zähne zeigt. Trotzdem ist fast jeder gekommen, der sich angemeldet hatte, und der Starter konnte ab morgens halb neun alle 20 Sekunden einen der 170 Fahrer auf die Reise schicken. Bisher war stets der Münchner Anwalt Sebastian Gutsch, mit seiner höllisch gehenden BMW R5 SS, der Schnellste. Vor zwei Jahren fuhr er die 12,9 Kilometer lange Strecke, deren Start auf 1260 Meter, und das Ziel bei sagenhaften 2428 Meter Meereshöhe liegt, in 9:22,4 Minuten und blieb damit nur zwei Sekunden über dem Streckenrekord von HP Müller auf dem Auto Union Bergrennwagen. Auch diesmal hatte Gutsch trotz Nässe und Nebel die Nase vorn, gefolgt von Veranstalter Fritsch auf einer Norton International.

Das Drama des zweiten Laufes
Nachdem alle gemeinsam wieder ins Tal gerollt waren, hiess es warten und beten, denn erst um 17 Uhr am Nachmittag startet traditionell der zweite Lauf, dazwischen rollt auf der Grossglocknerstrasse der Publikumsverkehr. Doch alles Beten half nichts. Kurz vor vier öffneten sich die Himmelsschleusen und der Regen wurde immer heftiger. Trotzdem gingen erneut fast alle Fahrer an den Start. Aber nachdem gut zwei Drittel des Feldes durch waren, brach der Starter ab. «Oben schneit es bereits ab 1900 Meter, im Ziel liegen drei Zentimeter Schnee.» Entsprechend spielten sich am Berg wahre Dramen ab. Die die es bis nach oben geschafft hatten, waren nicht besser dran, als die, die unterwegs stecken blieben, denn nun war der Weg ins Tal abgeschnitten. 

Erst als zwei Schneepflüge den Weg freiräumten, kamen die Motorräder wieder sicher vom Berg. Die Feier am Abend fiel trotzdem nicht aus. Da der zweite Lauf nicht gewertet werden konnte, gab es die Pokale diesmal nach den Bestzeiten aus dem ersten Lauf. So konnte Gutsch als Schnellster auch die Siegertrophäe mit nach Hause nehmen, genau wie der MSa- Motorradchef, der Autor dieses Reports, mit seiner Suzuki TR 250, zweitschnellster bei den 350er Nachkriegsmaschinen. Für alle steht fest: Die Grossglockner Trophy 2012 ist ein Muss. Dann hoffentlich wieder bei paradiesischem Wetter.

Autor: Imre Paulovits
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