Panorama: Porträt über Kurt Ahrens
Ein Porträt zum 70. Geburtstag von Kurt Ahrens
Der Mann war ein Alleskönner. Einer, der mit jedem Auto auf Anhieb sauschnell war und manchmal bis zu vier Starts in ein Wochenende zwängte. Ob grosse Formel-3- und Formel-2- Schlachten als Privatfahrer, heisse GT-Rennen für Abarth oder aufregende Sportwagen- Starts für Porsche im ultraflachen 908 und im störrischen 917 – Kurt Ahrens stellte sich jeder Herausforderung.
Speziell in den zwei Jahren als Porsche-Werksfahrer gelangen ihm zwischen 1969 und 1971 mit seinen gleichwertigen Partnern Vic Elford und Jo Siffert grandiose Siege in der Sportwagen- Weltmeisterschaft. Um diese Zeit galt der Braunschweiger als Deutschlands Bester. Was Jack Brabham sogar bewog, ihn für den GP am Nürburgring in einen seiner Formel-1-Rennwagen zu setzen.
Etwa 300 Rennen, mehr als 150 Siege, drei deutsche Rennwagen- Titel, dazu Siegertitel im Formel-3-Nationencup – das ist die stolze Bilanz eines Mannes, der sich vom selbst finanzierten Privatfahrer bis an die Spitze der gutbezahlten Profipiloten vorgekämpft hat. «Das war oft sehr mühsam», so Ahrens, fast wehmütig zurückblickend, «da mussten viele private Opfergebracht werden.
Ohne die Hilfe meines Vaters hätte ich das nie geschafft.» Zu Formel-Junior- Zeiten, Anfang der 60er-Jahre, fuhren Vater und Sohn Ahrens sogar noch gegeneinander. «Da hat mir mein alter Herr auch schon mal eine Lektion erteilt», gibt der Junior grinsend zu.
Frühes Ende wegen Angst
Warum hört ein so erfolgreicher Rennfahrer schon mit 32 Jahren einfach auf? «Weil die Angst vor einem schweren Unfall immer stärker wurde und ich einen guten Freund nach dem anderen verloren habe», gibt er zu. Tatsächlich fielen in die Ahrens- Ära leider auch die schlimmsten Jahre des Rennsports. Das Sicherheitsdenken steckte noch in den Kinderschuhen. Fast ein ganzes Starterfeld verunglückte damals innerhalb weniger Jahre tödlich:
Bandini, Clark, Schlesser, Spence, Scarfiotti, Courage, Mitter, Rindt, Siffert, Hawkins, Rodriguez. «Gegen fast alle bin ich in der Formel 2 gefahren, mit vielen war ich eng befreundet. Ich konnte das meiner Familie gegenüber nicht mehr verantworten. » Zumal er selbst einen wahren Horror-Crash bei Porsche- Testfahrten auf der Versuchsstrecke von Volkswagen in Ehra-Lessien wie durch ein Wunder mit nur leichten Blessuren überlebte. Der Jubilar und seine Frau Reni erfreuen sich bester Gesundheit.
Beide sind seit fast 50 Jahren verheiratet und leben mit ihrer Grossfamilie auf einem 15000 Quadratmeter grossen Anwesen in der Heide. Auf Sichtweiteplatziert, gibt es fünf Bungalows– einer für jeden der vier Ahrens-Sprösslinge (zwei Söhne, zwei Töchter mit insgesamt vier Enkelkindern) sowie das Familienoberhaupt. Nach dem Containergeschäft und Schrotthandel schon längst an die Nachkommen übergeben sind, bleibt für Kurt Ahrens genügend Raum für seine beiden liebsten Freizeitbeschäftigungen. Da wollen vor allem seine Söhne Alf (42) im Renault Clio in der ADAC Procar und Mike (45) im neuen ADAC-Cruze- Cup vor Ort betreut werden. Die verbleibenden «rennfreien » Wochenenden verbringt «Kurtchen» als gern gesehener Gast bei Historic-Events.
Geburtstagsparade
Das «Jim Clark Revival» am 18. April in Hockenheim wird für ihn sogar zum Pflichttermin. Denn seine alten Rennfreunde (und früheren Konkurrenten) haben für ihn eine «Geburtstagsparade » mit rund 25 Rennautos aus seiner Karriere organisiert. «Daist alles dabei,vom700er- BMW über die Formel-Autos bis zum Porsche 917», freut sich Kurt Ahrens schon im Vorfeld wie ein kleines Kind, «ein schöneres Geschenk, verbunden mit so vielen tollen Erinnerungen, kann man zum 70. doch kaum bekommen, oder?»







