Seit 2003 hat Timo Bernhard (29) sieben 24-Stunden- Rennen gewonnen, dazu noch die 12 Stunden in Sebring. Das ist einmalig in der Sportwagen-Szene. Und der Held selbst kann darüber nur den Kopf schütteln.
«Es ist echt der Wahnsinn», wiederholt Timo Bernhard immer wieder. Nach dem Gesamtsieg in Le Mans befindet sich der Mann aus der Saar-Pfalz auf dem Gipfel seiner Karriere. «Jetzt habe ich alles erreicht. Und das schon mit 29», staunt der Blondschopfselbst über seine Erfolge. Und über die Reaktionen darauf. In den 24 Stunden nach dem Rennen bekam er über 100 SMS. 2003 holte sich Bernhard seinen ersten grossen Erfolg bei einem 24-Stunden-Rennen. In Daytona siegte er im Porsche 911 GT3 RS und liess sogar die Daytona-Prototypen hinter sich. 2006 setzte der Porsche-Werksfahrer zu seiner Siegesserie am Nürburgring an: Vier Malin Folge gewann er mit dem Manthey-Team auf der Nordschleife. 2008, im Highlight-Jahr von Timo Bernhard, holte er auch noch den Gesamtsieg bei den 12 Stunden in Sebring im LMP2-Porsche RS Spyder.
Durch den Le-Mans-Erfolg 2010 im Audi R15plus hat er nun alle grossen Langstreckensiege. Vier Events, vier Strecken – wie fällt der Vergleich aus? «In Daytona ist das Fahren im Banking sehr speziell. Am Nürburgring sind der Verkehr und die extremen Geschwindigkeitsunterschiede das Besondere, zudem auch die Nordschleife als Strecke. Sebring ist eine echte Buckelpiste. Das ist die anstrengendste Strecke von allen. Das 12-Stunden- Rennen ist vom Kraftaufwand ähnlich wie die 24 Stunden am Nürburgring », weiss Bernhard, «und Le Mans ist Speed pur. Jede Gerade über 300 km/h, viele Kurven mit Tempo 200. Somit hat jedes der Rennen seinen eigenen Charakter.» Was ist nun der grösste Erfolg? «Le Mans überstrahlt schon alles, von seiner Historie und auch als Ereignis», sagt Bernhard, «als Fahrer gibt man bei allen Siegen den gleichen Einsatz. Doch der Stellenwert von Le Mans ist weltweit höher.»
Und auf dieses Rennen hatte sich Bernhard in diesem Jahr besonders vorbereitet.
«Ich habe mit meinem Trainer so gearbeitet, dass ich das zweite Juni-Wochenende von meiner Fitness auf dem Höhepunkt bin. Ich habe mich das ganze Rennen top gefühlt», resümiert die Porsche-Leihgabe an Audi. Seinen speziellen Rennmoment erlebte das Sportwagen- Ass frühmorgens: «Als ich an der Nr. 2 von Peugeot vorbeifuhr und mir mein Renningenieur sagte: ‹du führst›, da habe ich erst gestutzt und dann nur gedacht: Geil!» Bernhard hatte auch das Privileg, den R15 über den Zielstrich zu fahren: «Wahnsinn! Auch wie sich die Streckenpostenfreuen. Und als ich dann die Boxengasse verkehrt herum reingefahren bin, das werde ich in meinem Leben nicht vergessen. Selbst BMW-Mechaniker haben mich abgeklatscht.»
Zuverlässig und konstant
So, wie Bernhard mit seinen Teamkollegen Romain Duma und Mike Rockenfeller das Rennen gewonnen hat, nämlich mit Zuverlässigkeit und Konstanz, passt es perfekt zu ihm. Der 29- Jährige ist der dienstälteste Porsche- Werksfahrer (seit 1999): «Meinen Eltern habe ich das meiste zu verdanken. Aber dahinter kommt schon gleich Porsche. Seit ich 18 bin, bin ich bei Porsche unter Vertrag. Ich habe mich durchgearbeitet vom Cup bis zum Prototypen. Und dann haben sie mir die Möglichkeit gegeben, für Audi zu fahren.» Wann das nächste Rennen ansteht, weiss Bernhard noch nicht. Aber ein Grossereignis im Sommer ist trotzdem geplant: die kirchliche Hochzeit mit seiner Katharina.



















