Lässig mit Lederjacke und Rucksack spaziert Fredy Barth in die Redaktion von MSa. Der 30-Jährige ist einer der viel beschäftigtsten Fahrer in der Tourenwagen-WM, aber für einen kleinen Besuch nimmt er sich dennoch Zeit. Denn um seinen Hauptjob im Seat Leon TDI erledigen zu können, stehen zuvor noch andere Dinge an.
Barth ist Geschäftsführer der FB Trading and Consulting GmbH, Instruktor, Eventorganisator, Testfahrer der Schweizer Zeitschrift Auto Illustrierte (erscheint im gleichen Verlag wie MSa), macht Sponsorenakquise und die graphische Umsetzung von Autodesign und Teamkleidung. Alles nur, damit er am Ende Rennen fahren kann. „Die Idee war eigentlich, nur Rennfahrer zu sein. Das andere ist gewachsen“, erklärt der gebürtige Genfer, der mittlerweile in seinem Unternehmen zwei Festangestellte und zwei freie Mitarbeiter beschäftigt. Mit erst 16 Jahren begann Barth mit dem Kartfahren. Als Sieger der Winfield-Rennfahrerschule führte sein Weg über die Formel Renault, FormelVW in diverse Seat-Markenpokale wie Supercopa und Eurocup.
Jetzt ist er in der Tourenwagen-WM als Privatfahrer.
Mit 19 erkrankte er an Lymphdrüsenkrebs, den er erfolgreich besiegt hat. Kämpfer eben.
Aber was für Fähigkeiten braucht es, um diesen langen Atem zu haben? Ohne Zögern antwortet Barth: „Durchhaltewillen und Passion.“ Die blauen Augen leuchten. So hat er es auch in schwierigen Zeiten geschafft, ein Budget für die Top-Tourenwagen-Liga zusammen zu bekommen. Die WTCC kostet das Drei bis Vierfache im Vergleich zu einer Saison im Markenpokal.
Rund eine halbe Millionen Euro
Rund eine halbe Millionen Euro muss ein Privatfahrer mindestens als Saisonbudget planen. „Aber ich konnte alle mit meinem Traum anstecken. Es ist dann eine Solidarität entstanden“, beschreibt Barth die Verhandlungen mit den Sponsoren. Seit das in trockenen Tüchern ist, stehen Diskussionen mit WM-Promoter KSO an. „Da geht es um Tickets, Bildrechte, aber auch die Privat- und Rookiewertung“, so Barth. Gerade der letzte Punkt ist ein endloses Thema. Denn weil Barth einen Seat Leon TDI fährt, darf er in der lukrativen Independence Trophy (bis zu 480000 Euro Preisgeld) nicht starten. Was es in der neugeschaffenen Rookie-Challenge, die Barth derzeit anführt, zu kassieren gibt, ist noch offen.
Oft über der Grenze
Dennoch ist Fredy Barth sportlich erst einmal angekommen.
„Es wird extrem hart gefahren, oft über der Grenze. Bei den Autos fehlt zwar der Wow-Effekt, doch der Sport auf der Strecke ist gut und die Technik lässt viel Spielraum“, erläutert der Schweizer und zieht noch mal einen Vergleich zum Markenpokal:
„Der Diesel-Leon ist ganz anders zu fahren als der Supercopa.
Die Lärmkulisse im Auto, die Kraftentfaltung, dann hat der WTCC-Leon weniger Grip und kleinere Reifen, ist aber dennoch schneller.“ Und ein Ziel, neben weiteren Top-Ten-Plätzen, hat der ehrgeizige Rennfahrer auch: „Wenn ich die Daten von Tarquini sehe, wie sauber er jede Runde fährt, aber immer am Limit ist, da will ich auch hinkommen.“
Dafür plant Barth, noch mal in Monza (23.5.2010) zu testen. Das Rennen ist sein Heimspiel, nur rund 300 Kilometer entfernt von seinem Wohnort nahe Zürich. Und ganz nach dem Motto von seinem Partner, der Schweizer Kult-Rockband Krokus, will Fredy Barth die WTCC wieder rocken







