Reportage: Oldtimer-GP Nürburgring: 38. Oldtimer-Grand Prix am Nürburgring

19 Rennen, eine Gleichmässigkeitsprüfung, Präsentationsfahrten, eine hochkarätige Automobil- Auktion und jede Menge Clubtreffen – der Oldtimer-Grand- Prix auf dem Nürburgring wurde seinem erstklassigen Ruf als grossartige Veteranen-Veranstaltung auch beim 38. Mal gerecht.

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Oldtimer-Grand Prix 2010

An der Spitze: Frank Stippler im Maserati T61 (vorne links) führte, doch am Ende schied er aus.

An der Spitze: Frank Stippler im Maserati T61 (vorne links) führte, doch am Ende schied er aus.

Das grosszügige Savoir-vivre in exquisiten Zelten, wo fein perlender Roederer-Champagner in handgeschliffenen Kristallgläsern von livrierten Kellnern erlesenen Gästen serviert wurde, wechselt sich je nach Fahrerlager- Ecke mit ganz bodenständigem Geschraube an Ölleckigen Boliden ab. Man muss sich das so vorstellen: Da steht zum Beispiel eine Gruppe wild- und kahlmähniger Schweden, auf jeden Fall schon komplett ergraut, vor dem Motorraum eines BMW CSi Coupé, Baujahr 1973, herum und diskutiert fachmännisch, ölig und verschwitzt über die Elektrik. Einer hält den Zündverteiler in der Hand, der andere den Verteilerstift.

Es sind Beobachtungen wie diese, die jene elektroniklose Zeit retrospektiv so frei und einfach erscheinen lassen. Während die Schweden noch am Basteln sind,packt Peter Mücke schon wieder ein. Den zweiten Lauf im Revival Deutsche Rennsport-Meisterschaft schenkt er sich. «Morgen regnet es sowieso», sagt Sohn Stefan, der wie immer, wenn der Vater im 74er-Capri Vollgas gibt, die Schrauben festzieht. Schon in der Startphase fährt Mücke senior einen BMW M1 in die Parade, in der ersten Kurve scheppert es dann richtig. Aufhängung futsch, auch die Bremse packt nicht mehr zu, kurzer Ausflug ins Kiesbett. Mückes Lauf gewinnt Klaus Ludwig in bewährter Souveränität: sieben Sekunden Vorsprung im 700 PS starken Porsche 935. Schneller und lauter Nochschnellerunddeutlich lauter geht es im Grand Prix Masters zu. Vier Trophy-Wertungen für Monoposti unterschiedlicher Formel-1-Epochen werden hier geführt, benannt nach den führenden Köpfen ihrer Zeit: Jackie Stewart, Niki Lauda, Emerson Fittipaldi und Patrick Head. Ein Lotus 80 aus dem Jahr 1979, Ex-Andretti-Auto, rennt in der am stärksten besetzten Head-Klasse und wird vom Briten Sydney Hoole mit Bedacht auf Rang 7 gesteuert: «Ich muss höllisch aufpassen», sagt der Mittsechziger, «wegen der Verkleidung. » Das gute Kunststoffstück reicht von den Frontspoilern über den Motor bis zum Heckflügel. Eine Beschädigung wäre fatal. «Vom Typ 80 wurden nur zwei gefertigt», erzählt Hoole. Auch er startet am Sonntag nicht: Zwar hat Hoole Regenreifen, aber keine Felgen.

Ganz hervorragend besetzt ist das letzte Rennen am Samstagabend. Zweisitzige Rennwagen und GT bis Jahrgang 1960/61. 44 Autos, Ferrari, Lotus, Lister Jaguar, Aston Martin, Austin bis zu Veritas und Porsche, werden auf die einstündige Fahrt geschickt, angeführt von einem Profi. Frank Stippler steuert einen Maserati Tipo 61. Nach zaghaftem Start – «ich wollte die Antriebswellen schonen» – geht er noch in der ersten Runde an die Spitze. Freilich mit Frontschaden: «Ein Lotus ist vor mir in der ersten Kurve fast zum Stillstand gekommen. Hat wohl keinen Gang reinbekommen.» Am Ende siegen andere,das Vater- Sohn-Gespann Minshaw aus England. Stippler scheidet aus mit defektem Massekabel kurz vor Rennende.

Autor: Gregor Messer
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