Schumis F1-Jubiläum - Teil 3: Auf der längsten Durststrecke

Von MSa-Reporter Christian Eichenberger
Am Wochenende feiert Michael Schumacher in Spa seinen 20. F1-Geburtstag. Der dritte und letzte Teil unserer Serie widmet sich den letzten zwei Jahren seit der Bekanntgabe seines Comebacks mit Mercedes.

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Am 23. Dezember 2009 platzte die Bombe: Mercedes verkündete die Verpflichtung von Michael Schumacher. Für drei Jahre. Ein Deal, der kurz zuvor noch für unmöglich gehalten worden war. Selbst Schumis Ex-Manager Willi Weber sagte damals: «Ich weiss, dass Michael in Abu Dhabi mit Mercedes gesprochen hat. Und natürlich spricht er des Öfteren auch mit Ross Brawn. Aber von einem Vertrag hat er mir nichts gesagt.»

Vor Weihnachten war es dann also soweit. Das grösste Comeback in der Geschichte der Formel 1 war Tatsache. Im fortgeschrittenen Alter von 41 Jahren wollte es der Rekordweltmeister nochmals wissen. Ausgerechnet mit Mercedes, dort wo Schumis Karriere im Sportwagen angefangen hatte.

Von besinnlichen Weihnachten war keine Rede mehr. Der Hype, den Mercedes und Schumacher ausgelöst hatten, kannte keine Grenzen. Schumi war (wieder) in aller Munde. Das Geschehen um den Rest der Formel 1 wurde selbst in Fachpublikationen nur noch als Randnotiz abgefeiert. Silber war Trumpf. Und die Erwartungen wurden nach oben geschraubt.

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Testbeschränkung als grosses Handicap

Als der Formel-1-Rückkehrer aus Mangel an Testmöglichkeiten am 12. Januar in Jerez ein GP2-Auto (!) testete, war das Medieninteresse bereits riesig. Getoppt wurde das am 25. Januar. Mit stolz geschwellter Brust enthüllte der Ex-Champion im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart seinen neuen Boliden. Im Schatten: Teamkollege Nico Rosberg. Doch das sollte sich noch ändern.

Fit wie ein Turnschuh (seine bei Stürzen auf dem Motorrad zugezogene Nackenverletzung war ausgeheilt) und motiviert bis in die Haarspitzen absolvierte Schumi damals einen Medienmarathon, den die Formel 1 noch nie gesehen hatte. Gedanklich war er schon beim ersten Test. Der folgte am 1. Februar in Valencia. Was sich dort abspielte, war der Wahnsinn. TV-Teams, Fotografen und Journalisten drängten sich um den Superstar. Wer ein paar Wortfetzen kriegte, durfte sich glücklich schätzen. Wo Schumi auftauchte, bildete sich sofort eine Traube. Selbst um den damals bei Ferrari debütierenden Fernando Alonso wurde kein solches Theater veranstaltet.

Der Trubel um Schumacher ging noch einige Zeit so weiter. Als sich abzeichnete, dass dem Mercedes das Potenzial für Siege fehlte, schwächte sich die Euphorie ab. Spätestens beim Saisonauftakt in Bahrain war klar: Schumacher und Mercedes backen kleinere Brötchen, als es viele sich erhofft hatten. Das Thema GP-Erfolge war abgehakt, die «deutsche Nationalmannschaft», wie sie Mercedes-CEO Dieter Zetsche im Januar nannte, war bestenfalls vierte Kraft. Und da war noch dieser Rosberg, dem die wenigsten zugetraut hatten, Schumi Paroli zu bieten.

Doch der unscheinbare Blondschopf war vom ersten GP an schneller. Selbst Psychospielchen des 16 Jahre älteren Stallgefährten perlten an ihm ab. Ob er nun die Box wechseln oder die Startnummer 3 dem Champion überlassen musste, weil der nur mit ungeraden Nummern Erfolg zu haben glaubte, hatten auf Rosbergs Leistung keinen Einfluss. Im Gegenteil. Der jüngere Silberpfeil-Pilot trat aus dem dunklen Schatten der Vormonate hervor und verwies den vermeintlichen Platzhirsch stetig in die Schranken.

Harsche Kritik und viel Geduld

Spätestens als Schumi in Shanghai völlig von der Rolle war und Rosberg zum zweiten Mal nacheinander aufs Podest kletterte, fing das Monument Schumacher an zu bröckeln. Stimmen wurden laut, er würde (unter diesen Umständen) keine drei Jahre für Mercedes fahren. Immer wieder machten Gerüchte über einen Rücktritt die Runde – bis heute. Und die Zahl der Kritiker wächst. Doch Schumacher und Mercedes lassen sich nicht vom Kurs abkriegen. Der Glaube an bessere Zeiten hält die Partnerschaft am Leben. Rom wurde schliesslich auch nicht an einem Tag erbaut. «Red Bull hat fünf Jahre gebraucht, um den Titel zu holen», sagt Schumi. «Und bei Ferrari hat es genauso lange gedauert. Warum sollte es mit Mercedes schneller gehen?»

Vielleicht, weil Schumacher schon 42 ist und die Zeit knapp wird? Oder weil das Brawn-Team vor der Mercedes-Übernahme 2009 überraschend Weltmeister wurde?

Letzteres ist ein Trugschluss. Jenson Button, der mit Brawn 2009 Weltmeister wurde, hatte damals eine gute Nase. Statt zu verlängern, wagte er sich in die Höhle des Löwen zu McLaren. Button hat über den Transfer nie viel Worte verloren. Aber er scheint gespürt zu haben, dass er bei McLaren eher Erfolg haben würde als mit Mercedes.

Hoffnung auf Besserung bot die Saison 2011 für Mercedes. Der Wechsel auf Pirelli-Reifen und damit die Chance, von null zu beginnen, hat aber nicht den erhofften Anschluss an die Spitzenteams gebracht. MSa-Experte Alex Wurz hat schon vor dem Comeback gesagt: «Es wird hart für Schumacher. Bei Ferrari hat er jeden Tag bis tief in die Nacht getestet. So lange, bis alles perfekt gepasst hat. Inzwischen herrscht Testverbot in der Formel 1. Das macht die Sache für ihn unheimlich schwierig.»

Montreal: Bestes Rennen seit Comeback

Schumi selbst übt sich in Geduld. Und betont, wann immer es die Gelegenheit erlaubt, wie viel Spass im die Rennerei mache. Dennoch ist auch er nicht davon ausgegangen, dass er nach 30 GP in Silber keinen Podestplatz auf dem Konto hat.

Sein bisher bestes Rennen lieferte er 2011 in Montreal ab. Beim Wechselwetter, das einigen zum Verhängnis wurde und das immer eine der Stärken Schumachers war, geigte er vorne mit. Beim Angriff auf den führenden Sebastian Vettel war der «alte Schumacher» plötzlich wieder da. Platz 4 war der Lohn einer starken Fahrt.

Zu mehr hat es Schumacher in seiner zweiten Karriere bisher nicht gereicht. Dennoch ist und bleibt er eine der grossen Figuren. Wenn er am Wochenende in Spa seinen 20-jährigen F1-Geburtstag feiert, werden ihm viele die Daumen drücken. Dass er 20 Jahre nach seinem Debüt immer noch fährt, ist nur einer von vielen Rekorden, die Schumacher hält. Einen wird er jedoch nie brechen. Als ältester GP-Sieger wird Schumi nicht vom Platz gehen. Diese Ehre gebührt Luigi Fagioli. Um dessen Bestmarke von 53 Jahren zu knacken, müsste Schumi noch elf Jahre anhängen. Das wird sich auch der Nimmersatte nicht antun.
 
 
Schumis Rekorde
 
WM-Titel
Mit sieben Titeln ist Schumacher einsame Spitze. Auf P2 folgt Juan-Manuel Fangio (5). 2002 betrug Schumis Vorsprung auf den Zweitplatzierten Barrichello 67 Punkte. Auch das ist Rekord. Schumi war 2002 zudem am schnellsten Weltmeister. Nach 64,7 Prozent der Saison (GP Frankreich) war der Kittel geflickt. Darüber hinaus war Schumi unfassbare 1814 Tage am Stück Weltmeister – nämlich vom 8. Oktober 2000 bis zum 25. September 2005.

Siege
Mit 91 GP-Siegen ist Schumi allen anderen weit voraus (P2 Alain Prost mit 51). 2004 gewann er 13 Rennen – so viel wie kein anderer in einem Jahr zuvor. Am erfolgreichsten war Schumacher in Frankreich. Dort siegte er achtmal.

Pole-Positions
Im Rennen um den besten Startplatz hat Schumacher mit 68 Pole- Positions ebenfalls die Nase vorn. Ayrton Senna kommt auf 65. Der Brasilianer benötigte dafür 161 GP, Schumi 233. 40-mal gewann Schumi von der Pole – auch Rekord.

Schnellste Runden
Ganze 76-mal drehte Schumi die schnellste Rennrunde. Prost auf Rang 2 kommt auf 39.

WM-Punkte
Schumacher hält die Bestmarke mit 1473. Diese Statistik wird durch das neue Punktesystem jedoch immer mehr verwässert. Schumacher ist überdies der konstanteste F1-Fahrer: 24-mal in Folge (2001–2003) fuhr er auf einen der Punkteränge.

Weitere Rekorde
Mit 154 Podestplätzen ist Schumi einsame Spitze (2. Prost mit 106). Auch bei Führungsrunden (5111) wird ihn so bald keiner einholen. Bei Führungskilometern (24.065) auch nicht. Auch im Doppel war Schumi stark: Mit Barrichello holte er bei Ferrari 24 Doppelsiege – zehn mehr als Senna/Prost (McLaren).


Michael Schumacher

F1-Termine Spa 2011
Event Datum Uhrzeit (MESZ) TV-Sender/Live-Übertragung
1. Freies Training FR, 26.8. 10:00 Uhr Sky Sport 2 (09:55 Uhr)
Sport1 (10:00 Uhr)
2. Freies Training FR, 26.8. 14:00 Uhr Sky Sport 2 (13:55 Uhr)
Sport1 (14:00 Uhr)
ORF1 (14:30 Uhr)
3. Freies Training SA, 27.8. 11:00 Uhr Sky Sport 2 (10:55 Uhr)
Qualifying SA, 27.8. 14:00 Uhr RTL (13:30 Uhr)
Sky Sport 2 (13:45 Uhr)
ORF1, SF2 (13:55 Uhr)
Rennen SO, 28.8. 14:00 Uhr RTL (12:30 Uhr)
ORF1 (12:45 Uhr)
Sky Sport 2, SF2 (13:55 Uhr)
Autor: Christian Eichenberger
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