STORY DER WOCHE: Norbert Singer und Hans Mezger / 70. Und 80. Geburtstag
Die Power-Jubilare
Zwei grosse Porsche-Männer feiern Mitte November bei guter Gesundheit runde Geburtstage: Fahrwerks- Spezialist Norbert Singer wird am16. November 70, und Motoren-Genie Hans Mezger vollendet zwei Tage später sein 80. Lebensjahr. Beide gelten als Väter unzähliger Porsche-Erfolge aus vier Jahrzehnten.
Den beiden Lichtgestalten des Porsche-Motorsports hat das Unternehmen viel zu verdanken. Hans Mezger entwarf und konstruierte mit seinem Team für die Stuttgarter viele siegreiche Triebwerke. Ob der erste 2,0-Liter-Rennmotor im klassischen 911 oder der kernige8-Zylinder im 907/908-Sportwagen, ob das 12-Zylinder-1100-PS-Turbo-Ungetüm im 917er-CanAm oder der unverwüstliche 6-Zylinder- Turbo im 956/962 oder die 700-PS-Indy-Maschine –
Mezgers geniale Ideen steckten überall drin. Seine Motoren brachten Porsche fünf Marken und Team-WM-Titel, fünf Fahrer- Weltmeisterschaften, 43 Siege in WM-Läufen, vier IMSA Titel und 52-Einzelerfolge. Jede Mezger-Kreation war gut genug für mindestens einen Titelgewinn. Der grösste Geniestreich gelang ihm mit dem für TAG und McLaren gebauten Porsche-Formel-1-Turbomotor, der im Premierenjahr 1984 auf Anhieb 12 von 16 GP gewann, insgesamt drei F1-Weltmeisterschaften und 25 GP-Siege einfuhr. Damit wurde Hans Mezger endgültig zur Konstrukteurs- Legende in der Rennsport- Historie von Porsche. Überhäuft mit internationalen Auszeichnungen wie «Trofeo Colin Chapman» oder «Fürst- Metternich-Preis», trat er 1993 von der Motorsport-Bühne ab und ging in Pension. Als persönlich wertvollste Momente hat Mezger die Premierensiege des 917-Sportwagens 1970 in Le Mans und des TAG-F1-Motors 1984 in Rio in Erinnerung. Die grösste Enttäuschung war für ihn das unrühmliche Ende dieses Triebwerks, das bei Arrows ins Nirwana versank. «Das hatte dieser wundervolle Motor wirklich nicht verdient », grämt sich sein Erbauer noch heute.
Singer 40-mal in Le Mans
Auch die Arbeit des Fahrwerks- Spezialisten Norbert Singer ist eine grandiose Erfolgsgeschichte. So hat er alle 16 Le-Mans-Siege von Porsche miterlebt – den ersten 1970 mit dem 917 genauso wie den letzten 1998 mit dem GT1. Als «schönstes Erlebnis überhaupt» gilt für ihn immer noch der grandiose Dreifachsieg des nagelneuen 956 in Le Mans gleich beim ersten Antritt 1982. Der 956 und das Nachfolgemodell 962 gehörten ebenso zu seinen Lieblingsautos wie der «Baby»-Porsche 935 mit 2- Liter-Turbomotor von 1977. Auch Singer blieb zumindest eine Enttäuschung nicht erspart. Konkret meint er das werkseigene Indy-Projekt, dass letztlich politischen Querelen im eigenen Haus zum Opferfiel. Auch nach seiner Pensionierung Ende 2004 blieb Singer ein gern gesehener Gast an der Rennstrecke. Meist sichern sich private Porsche-Teams seinen Rat, sein Wissen und seine strategischen Tricks. Das gilt vor allem für Le Mans und hat sich bis heute nicht geändert. So wird der Inhaber der ACO Auszeichnung «Spirit of Le Mans» auch 2010 wieder an einer Porsche- Box stehen und mit seinem 40. Le-Mans-Rennen in Folge zugleich ein kleines persönliches Jubiläum feiern. Unabhängig von einander haben beide Jubilare beschlossen, ihre Geburtstage jeweils nur mit der Familie zu feiern.«Wenn ich alle Freunde und Weggefährten aus dem Rennsport einladen würde», so Singer, «kämen mehrere 100 Personen zusammen. » Ähnlich sieht das sein Kollege Mezger, der sich mit Ehefrau, Tochter, Sohn und drei Enkelkindern «einen schönen Tag machen» möchte. Natürlich feiern die eingefleischten Schwaben, die beide mit ihren Familien im Grossraum Stuttgart leben, «im Ländle» – niemals kämen sie auf die Idee, an ihrem Geburtstag mal eben schnell ins Ausland zu verschwinden.
Solche Motoren und Fahrwerks Spezialisten wird es nicht so schnell wieder geben!Ich persönlich ziehe den Hut vor Ihnen!Mögen sie uns noch lange bei bester Gesundheit erhalten bleiben!







