Report: Le Mans Classic: Trabers Le-Mans-Schätze

Für das am nächsten Wochenende stattfindende Le-Mans-Classic-Rennen bereitet die Sportgarage Graber in Toffen bei Bern insgesamt 18 Rennfahrzeuge vor: Vom 1937er Delahaye 135S bis zum BMW M1 anno 1979.

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Foto: Dino Eisele

Familiensilber: Drei BMW M1 von 1979, dazwischen der 73 Jahre alte Delahaye 135S.

Familiensilber: Drei BMW M1 von 1979, dazwischen der 73 Jahre alte Delahaye 135S.

Am Ortsrand des kleinen Dorfs Toffen, am Fuss der Alpen des Berner Oberlandes, lebt der Geist des historischen Automobils: Seit 1984 ist die Oldtimergalerie Toffen mit rund 150 klassischen Automobilen jeder Epoche ein viel besuchter Wallfahrtsort für Sammler und Kenner. Direkt daneben hat sich 2001 in einem verwinkelten ehemaligen Industriegebäudekomplex mit mehreren Hallen auf verschiedenen Ebenen die Sportgarage Graber etabliert, die einen grossen Schweizer Namen trägt. Hermann Graber baute nicht weit entfernt in Wichtrach von 1925 bis 1970 rund 800 hochwertige und vielfach ausgezeichnete Cabrio- und Coupé-Karosserien auf Rolls-Royce-, Bentley-, Alvis- oder Duesenberg-Chassis, die bis heute zu den wertvollsten und begehrtesten Oldtimern der Welt zählen.

Vom Carrossier zur Renngarage
Nach Grabers Tod vor 40 Jahren existierte die Werkstatt weiter, wurde 1980 offizieller Ferrari- Händler und als Graber Sportgarage zwei Jahre später an Erich Traber verkauft, der sich mit der 1970 gegründeten Interdiscount-Heimelektronik- Handelskette einen ansehnlichen Wohlstand erarbeitet hat und sich fortan seiner Leidenschaft widmete: klassischen Sportwagen. Die wurden zunächst am alten Standort in Wichtrach restauriert, repariert, gewartet. 1990 kam die Fusion mit der Oldtimer-Reparatur AG in Toffen, in deren Gebäude die Sportgarage Graber 2001 einzog. Schon seit 1988 ist die Firma im historischen Motorsport engagiert, für die Mille Miglia wurden ebenso Rennfahrzeuge präpariert wie für den Grand Prix de l’Aged’Ôr in Dijon oder die Silverstone Classic.

Bis vor einem Jahr wurden in Toffen bis zu zehn Rennsportwagen allein für die Ferrari-Challenge betreut und eingesetzt. Seit 2004 ist Erich Trabers Sohn Christian Chef der Graber Sportgarage. Der 53-jährige Kaufmann mit dem grossen Racer-Herz und dem typisch eidgenössischen Gespür für Diskretion hat aus der Oldtimer- Werkstatt mit heute 13 Mitarbeitern eines der grössten Unternehmen im historischen Motorsport Europas gemacht. Er fährt seit 1986 selbst mit den unterschiedlichsten Rennwagen aus dem reichen Fundus der Familie: vom Ex-Siffert-Lotus-Formel-Junior über Ferrari, Maserati, Porsche und Jaguar bis hin zum BMW M1. Sein grösster Erfolg war in diesem Jahr der Sieg im historischen Formel-3-GP in Monaco am 2. Mai in einem Brabham BT 21, den er erst kurz zuvor in England gekauft hatte.

Unternehmen Le Mans Classic
Ein Ereignis beschäftigt die Sportgarage und vor allem ihre Mechaniker wie kein anderes: das historische 24-Stunden- Rennen von Le Mans, die grösste Veranstaltung im historischen Motorsport weltweit mit rund 470 Rennsportwagen der Baujahre 1923 bis 1979 und über 1000 Fahrern. In Toffen werden dafür 18 Autos präpariert: ein 1937er Delahaye, den Seniorchef Erich Traber pilotiert, ein Lancia Aurelia B20 GT von 1952, fünf Ferrari, drei Porsche und allein vier BMW M1 – einen fährt Prinz Leopold von Bayern und einen Frankreichs Premierminister François Fillon. Neben der technischen Vorbereitung der Fahrzeuge steht ein gewaltiger logistischer Aufwand ins Haus: Drei Teams («Squadra Classica») mit je einem Fahrzeug aus den sechs startenden Epochen wurden zusammengestellt, 16 Mechaniker fahren mit fünf Transportern Autos, Reifen, Ersatzteile und Werkzeug nach Le Mans. Hinter dem Fahrerlager steht ein in Le Mans angemietetes Zelt, in dem bis zu 120 Personen bewirtet werden –Kostenpunkt rund 53000 Euro. Für jedes teilnehmende Rennfahrzeug kassiert Veranstalter Patrick Peter 4500 Euro, Christian Traber rechnet mit etwa weiteren 5000 Euro Spesen pro Einsatzauto. «Wir wollen möglichst ins Ziel kommen und vor allem unseren Spass haben», definiert Traber die Ziele bescheiden, «und in der Teamwertung gut abschneiden.»

Autor: Peter Voncken
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