TT Zero: Isle of Man

Voll unter Strom bei der Isle of Man 2010

Zum zweiten Mal fuhren Elektrobikes auf der Isle of Man um die Wette. Die Entwicklung schreitet in Riesenschritten voran.  Ein Bericht von dem MSa-Reporter Steven Burns

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Mark Miller, Isle of Man 2010
Foto: Burns

10000 britische Pfund. Das sind grob 12000 Euro oder 17000 Schweizer Franken. So viel Geld hat die Regierung der Isle of Man demjenigen in Aussicht gestellt, der als Erster mit einem Elektromotorrad eine Runde auf dem Mountain Circuit mit mehr als 100Meilen im Schnitt fährt. Mit einem konventionellen Motorrad schaffte dies der Schotte Bob McIntyre bereits vor 53 Jahren. Er fuhr mit der 500er-Vierzylinder-Gilera am 7. Juni 1957 bei der Senior-TT eine schnellste Runde in 22 Minuten und 23,2 Sekunden, was einen Schnittvon101,123 Meilen oder 162,742 km/h bedeutete.

Duell MotoCzysz gegen Agni

Beim ersten Training zur TT Zero sah es vorletzten Samstag für eine Weile auch so aus, als könnte die magische Marke zur Realität und die Regierungskasse geschlachtet werden. Mark Miller auf der MotoCzysz des exzentrischen amerikanischen Architekten Michael Czysz, die im Vorjahr keine einzige komplette Runde zustande brachte, wurde während seiner Trainingsrunde immer schneller. Bis Glen Helen noch mit einem Schnitt von 93,390 mph unterwegs, steigerte er sich bis Ballaugh auf 96,327 mph und bei Ramseywaren es bereits 99,520 mph. Auch der Vorjahressieger Rob Barber war mit 96,670mph zu diesem Zeitpunkt nicht weit abgeschlagen. Als es schon so aussah, als würde die 100-Meilen- Hürde fallen, war der Spuk aber auch schon vorbei. Die MotoCzysz stand wieder genauso bewegungslos am Strassenrand, wie man es aus dem Vorjahr gewohnt war. Doch diesmal sollte die Pleite des aufwendigen Projekts nicht anhalten. Nachdem man den Ladestrom richtig berechnet hatte, war gegen Miller und die MotoCzysz kein Kraut gewachsen. US-Boy Miller trat im Laufe der Woche auch bei den Rennen der Superbike, Superstock und bei der SeniorTT auf einer BMWS 1000 RR an.

Miller konnte es kaum glauben

So hatte er genügend Training, und als er schliesslich mit dem MotoCzysz-E-Bike um Geld und Ehren fuhr, fühlte er sich irgendwie klein und langsam. «Erst als ich auf dem Podest stand und die amerikanische Nationalhymne hörte, konnte ich wirklich glauben, dass ich gewonnen hatte», sagte Miller hinterher. Doch die 10000 Pfund konnten in der Kasse bleiben: Der Schnitt des Siegers, der identisch mit der schnellsten Runde war, da die TT Zero über eine Runde ging, lag bei 96,820 Meilen (155,783 km/h), mehr Kapazität konnte einfach nicht herausgekitzelt werden. Doch auch so wurde Vorjahressieger Barber auf der weiterentwickelten Agni um fast zwei Minuten abgehängt. Er kam auf 89,290 Meilen (143,668 km/h) Schnitt und konnte sich so gegenüber seiner Siegesfahrt von 2009 um 32,3 Sekunden steigern.

Konkurrenz für Barber im Kommen

Konnte Barber im Vorjahr die Konkurrenz noch um über drei Minuten abhängen, war sein nächster Verfolger James Mc-Bride diesmal nur 11 Sekunden später im Ziel, und auch die schnellste Frau der TT, Jennifer Tinmouth auf der zweiten Agni, blieb innerhalb von Barbers letztjähriger Siegerzeit. Und die Entwicklung hat gerade erst begonnen: Viele Bikes, die es auf der Insel zu sehen gab, sollen bald in Serie zu kaufen sein. 

Autor: Steven Burns
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